"Ein verdammt gescheidter Kerl, ein wirkliches Genie", schrieb Sigmund Freud , kurz nachdem er eine Vorlesung bei Franz Brentano (1838 bis 1917) besucht hatte. Brentano verband auf neue Weise Philosophie und Psychologie, entnehme ich einem Aufsatz von Michael Ehn und Ernst Strouhal im kulturellen Schachmagazin Karl. Sein Herangehen an philosophische Grundfragen übertrug Brentano auch auf das Schachspiel: "Wie er mit sich selbst Schach zu spielen liebte, die Partie des Gegners mitübernehmend, so trat er auch den eigenen Lehren wie ein fremder Kritiker gegenüber, um nach schwachen Punkten zu spähen" (Alfred Kastil). Wobei eine gewisse Blindheit nicht ausbleiben kann. So verkündete er, streitbar auf dem Schachbrett wie im Seminar, die Zugfolge 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Sf3 g5 4.h4 g4 5.Se5 d5! als Widerlegung des Königsgambits. Und kreierte in der Spanischen Eröffnung 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 mit 3...g5?! die "Brentano-Variante", die einen "Sturm der Entrüstung" auslöste. Fast immer hielt er sich auch beim Schach in theoretischen Höhen auf, stieg jedoch gelegentlich in die Niederungen der Praxis hinab, wie sich sein berühmter Schüler Husserl erinnerte. Der König seines Gegners J. Berger hatte sich erdreistet, in Brentanosche Sphären einzudringen. Das wurde bestraft, wobei allerdings nach dem gespielten 1...Ld7 Weiß mit 2.Se5 sich hätte retten können. Wie hätte indes Brentano als Schwarzer den Übermut des Monarchen hieb- und stichfest bestrafen können?

Lösung aus Nr. 34:

Wie konnte Weiß zwangsläufig den Läufer abtauschen und in ein gewonnenes Turmendspiel einlenken? Nach 1.Se6+! Kc8 2.Sd4! Tf8 3.Sxf3 Txf3 4.Kb6! war das weitere Eindringen des weißen Königs nicht zu verhindern (4...Kb8?? 5.Tg8+). Schwarz versuchte 4...Tb3 , gab aber nach 5.Tg8+ Kd7 6.Tb8 auf – gegen Ka7 nebst b6 etc. gibt es keine Verteidigung