Die Bahn pflegt ein umweltfreundliches Image. Jeder, der vom Auto auf den Zug umsteigt, darf sich demnach ökologisch auf die Schulter klopfen. Aber das ist nicht immer berechtigt.

Hier soll es um eine vierköpfige Familie gehen, die eine Fernreise unternimmt. Bei welchem Verkehrsmittel ist der CO₂-Fußabdruck größer?

Werfen wir also einen Blick auf den Kohlendioxidausstoß pro Personenkilometer. Laut der vom Bundesumweltministerium beauftragten Tremod-Studie betrug der Wert im Jahr 2006 für die Bahn 52 Gramm. Für den Pkw wird der Kohlendioxidausstoß pro Person und Kilometer mit 144 Gramm angegeben. Das macht für unsere vierköpfige Familie 208 Gramm pro Kilometer mit der Bahn und 576 Gramm im Auto – klarer Fall, oder?

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Leider nicht. Hinter diesen Zahlen stecken ja Annahmen darüber, wie voll das jeweilige Verkehrsmittel besetzt ist. Liest man im Kleingedruckten nach, dann wird eine Auslastung des Zuges von 60 Prozent angenommen, beim Auto sind es 1,5 Passagiere. Wenn die Familie sich für den Zug entscheidet, dann ändert das die Auslastung kaum, man kann also mit den 52 Gramm rechnen. Fürs Auto dagegen muss man die Gesamtemission des Wagens von 216 Gramm tatsächlich auf die vier Insassen verteilen. Der Wert ist also nur geringfügig höher als bei der Bahn. Und wenn die Familie ein Auto mit geringem Verbrauch fährt und Mutti und Vati nicht zu sehr aufs Gaspedal treten, steht sie rechnerisch sogar besser da als bei der Bahnfahrt.

Eine Reise mit der Bahn ist also nicht unbedingt sauberer als eine Fahrt mit dem voll besetzten Pkw. Wer wirklich am CO₂ sparen will, der sollte über eine Busreise nachdenken – mit 32 Gramm Kohlendioxid pro Personenkilometer ist der Reisebus das unbestritten umweltfreundlichste Verkehrsmittel.

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