In kräftigen Schwaden weht der Geruch von Souflaki und Katsikaki, von Rindfleischspießen und gebratenem Ziegenfleisch, über den kleinen, von weiß getünchten Tavernen umsäumten Dorfplatz. Kaum haben sich die paar Gäste aus dem fernen Norden an einen Tisch gesetzt, schleppt der Wirt Teller um Teller aufgeschnittene Tomaten, Oliven und Feta heran, Berge von Souflakispießen und gebratenen Kartoffeln, dem Ouzo folgen Karaffen mit Wein und Wasser. Drei Stunden später wird der Wirt uns zwölf Euro pro Person verrechnen. Die griechischen Gastgeber beschämen die Gäste mit einer Gastfreundschaft, die sich von den Schmähungen des europäischen Boulevards unbeeindruckt zeigt.

Wir befinden uns in Kommeno, einem 700-Seelen-Dorf im südlichen Epirus, das in den Tagen um Mariä Himmelfahrt auf dem Dorfplatz ein kleines Musikfest gibt. Begonnen hatte die Serie vor vier Jahren mit einem Kroustopanigiris, einem Perkussionsfestival, zu dem der Schlagzeuger Nikos Touliatos damals auch den deutschen Schlagzeuger Günter Baby Sommer eingeladen hatte. Inzwischen hat sich das Festival stilistisch geöffnet, von Pop bis hin zum modernen Jazz.

Die Bevölkerung ist auf den Beinen, egal, wie es von der Bühne tönt, modisch aufgeputzte Teenager, Bauern im kräftigen Tuch und, ja, selbst einige schwarz gekleidete alte Frauen mit furchigen Gesichtern und lebendigen Augen.

Als einziger ausländischer Gastmusiker, herzlich begrüßt und alle fünf Meter umarmt, ist auch Sommer wieder da, seit zwei Jahren der einzige deutsche Ehrenbürger der Gemeinde.

An diesem Abend, dem 16. August 2012, führt Sommer mit seinem griechischen Quintett erstmals seinen Songzyklus Songs for Kommeno auf – eine schöne, berührende Musik aus einem furchtbaren Anlass. Denn auf den Tag genau vor 69 Jahren richteten deutsche Truppen in Kommeno ein Blutbad an. 120 deutsche Soldaten der 12. Kompanie des 98. Regiments der 1. Gebirgsdivision fielen im Morgengrauen über das Dorf her und brachten 317 Bewohner um, Männer, Frauen, Greise, Kinder.

In den Untersuchungsakten der Wehrmacht, die das Gemetzel minutiös dokumentierte, heißt es, das von der mitgeführten Feldküche »ausgegebene Mittagessen (Milchreis mit Kompott)« sei nur von wenigen Soldaten gegessen worden, »weil die meisten wahrscheinlich während der Aktion von Übelkeit befallen wurden«.

Wie war es zu diesem Massaker gekommen? Am 11. August 1943 hatte eine deutsche Patrouille bei einer Erkundungsfahrt auf dem Dorfplatz von Kommeno ein an eine Hauswand gelehntes Maschinengewehr entdeckt. Da die Deutschen an der nahen Küste ein großes alliiertes Landemanöver erwarteten, sollten Elitesoldaten das Gebiet von griechischen Partisanen »säubern«. Im Tagesbefehl des zuständigen »Oberbefehlshabers Südost« hieß es: »Sühnemaßnahmen sind mit härtesten Mitteln durchzuführen, wenn eine feindliche Haltung der Bevölkerung vorliegt. In bandenverseuchten Gebieten bleibt die Festnahme der Bevölkerung ein erfolgreiches Mittel der Abschreckung.« Der zuständige Divisionskommandant hatte den Befehl noch verschärft: »Alle Bewaffneten werden grundsätzlich an Ort und Stelle erschossen. Dörfer, aus denen geschossen wird oder in denen Bewaffnete angetroffen werden, sind zu vernichten, die männliche Bevölkerung der Dörfer ist zu erschießen.«