Kohle ist der dreckigste Brennstoff unter denen, die in Deutschland zur Verstromung genutzt werden. Etwa 40 Prozent des in der Republik emittierten Kohlendioxids – 2011 waren es über 800 Millionen Tonnen – stammen aus Meilern, in denen Braunkohle oder Steinkohle verfeuert wird. Sinnvoll wäre es also, in der Kohleverstromung ein Auslaufmodell zu sehen, denn nur so könnte Deutschland sein erklärtes Ziel erreichen, Mitte des Jahrhunderts die Stromversorgung überwiegend aus sauberen Quellen zu bestreiten.

Das ist aber nicht so. Erst vor zwei Wochen ging im rheinischen Grevenbroich-Neurath ein von RWE betriebenes riesiges Braunkohlekraftwerk ans Netz, das allein rund 16 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr ausstoßen wird. An neun weiteren Kohlemeilern wird gebaut; sie sollen in den nächsten beiden Jahren in Betrieb gehen. Bei zehn Kraftwerksprojekten sind die Planungen überdies so weit fortgeschritten, dass mit dem Bau möglicherweise in naher Zukunft begonnen werden kann (siehe Karte und Tabellen).

Besonders die Braunkohle, die für knapp 25 Prozent des deutschen Stroms sorgt, hat eine extrem schlechte Klimabilanz. Bei ihrer Verfeuerung fallen ein Viertel mehr Kohlendioxidemissionen an als bei Steinkohle und knapp drei Mal so viel wie in modernen Gas-Dampf-Kraftwerken. Der Brennstoff ist für Kraftwerksbetreiber gleichwohl billig und damit besonders attraktiv. Das liegt auch daran, dass externe Kosten – etwa durch Treibhausgase – kaum in die Stromrechnung einfließen. Auch der riesige Landschaftsverbrauch in der ostdeutschen Lausitz oder im rheinischen Revier spielt in der Kosten-Nutzen-Analyse nur eine kleine Rolle.

Mit einigem Recht können RWE, Vattenfall oder E.on darauf verweisen, dass der Ersatz alter durch neue Kohlekraftwerke mit höherem Wirkungsgrad und niedrigerem CO₂-Ausstoß die Klimabilanz insgesamt verbessert. Allerdings muss ein Meiler mindestens 40 bis 50 Jahre am Netz bleiben, um sich zu rentieren. Die in diesem Jahrzehnt anlaufenden Kraftwerke dürften also bis weit über das Jahr 2050 hinaus die Luft verschmutzen. Wie das zu einer dann sauberen Stromerzeugung passt, haben Kohle-Befürworter wie Umweltminister Peter Altmaier und EU-Energiekommissar Günther Oettinger bislang noch nicht erklärt.