Tatsächlich mokieren sich gelegentlich Vertreter der Linken über mich, die Formen des gewaltsamen Widerstands befürworten und der Meinung sind, ich verstünde diese Praktiken schlicht nicht. Es stimmt: Ich billige die Praxis des gewaltsamen Widerstands genauso wenig, wie ich staatliche Gewalt billige, billigen kann oder je gebilligt habe. Diese Position macht mich vielleicht eher naiv als gefährlich, aber es ist meine Position. Folglich ist es mir immer absurd erschienen, dass meine Bemerkungen so aufgefasst wurden, als wollte ich Hamas oder Hisbollah unterstützen oder billigen! Ich habe zu keiner der beiden Organisationen je Stellung bezogen, so wie ich auch nie eine beliebige Organisation unterstützt habe, nur weil man sie der globalen Linken zurechnen kann – ich bin keine Anhängerin aller Gruppierungen, die gegenwärtig die globale Linke ausmachen. Festzustellen, dass jene Organisationen Teil der Linken sind, heißt nicht, zu sagen, dass sie ein Teil der Linken sein sollten oder dass ich sie in irgendeiner Weise befürworte oder unterstütze.

Zwei weitere Punkte: Ich unterstütze die Kampagne "Boycott, Divestment and Sanctions" in einer sehr bestimmten Weise. Manche ihrer Erscheinungsformen lehne ich ab, andere befürworte ich. Ich bin gegen Investitionen in Unternehmen, die militärisches Gerät ausschließlich zu dem Zweck herstellen, Häuser zu zerstören. Ebenso lehne ich Vorträge an israelischen Institutionen ab, die sich nicht eindeutig gegen die Besetzung aussprechen. Hingegen akzeptiere ich nicht die Zielsetzung, einzelne Personen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit zu diskriminieren, und ich werde auch weiterhin enge und kooperative Beziehungen zu zahlreichen israelischen Wissenschaftlern unterhalten. Ein Grund, warum ich BDS befürworte, Hamas und Hisbollah aber nicht befürworten kann, besteht darin, dass BDS die größte gewaltfreie zivile politische Bewegung ist, die sich für die Gleichheit und die Selbstbestimmungsrechte der Palästinenser einsetzt. Meine Auffassung ist, dass Juden und Palästinenser einen Weg finden müssen, unter gleichen Bedingungen zusammenzuleben. Wie so viele andere sehne auch ich mich nach einem wirklich demokratischen Gemeinwesen in jenem Flecken Erde, und ich befürworte die Grundsätze der Selbstbestimmung und des Zusammenlebens für beide Völker, ja für alle Völker. Und ich wünsche mir, zusammen mit einer wachsenden Zahl von Juden und Nichtjuden, dass die Besetzung ein Ende findet, dass Gewalttätigkeiten jeder Art eingestellt werden und dass die wesentlichen politischen Rechte aller Völker in der Region durch eine neue politische Struktur garantiert werden.

Zwei letzte Bemerkungen: Die Gruppe, die den Aufruf gegen mich sponsert, nennt sich Scholars for Peace in the Middle East, was man bestenfalls als einen irreführenden Namen bezeichnen kann. Auf ihrer Website behauptet die Gruppe, der "Islam" sei eine "von Natur aus antisemetische [sic!] Religion". Es handelt sich nicht, wie die Jerusalem Post schrieb, um einen bedeutenden Zusammenschluss jüdischer Gelehrter in Deutschland, sondern um eine internationale Organisation mit Sitz in Australien und Kalifornien – eine rechte Gruppierung, die somit Teil einer innerjüdischen Auseinandersetzung ist. Ihr früheres Vorstandsmitglied Gerald Steinberg ist bekannt dafür, Menschenrechtsorganisationen in Israel ebenso zu attackieren wie Amnesty International und Human Rights Watch. Deren Bereitschaft, auch israelische Menschenrechtsverletzungen zu thematisieren, qualifiziert sie offensichtlich ebenfalls für das Etikett "antisemitisch".

Zu guter Letzt: Ich bin kein Werkzeug irgendeiner NGO. Ich sitze im Beirat der Jewish Voice for Peace, gehöre der Kehillah-Synagoge im kalifornischen Oakland an und bin Vorstandsmitglied der Faculty for Israeli-Palestinian Peace in the US sowie des Dschenin-Theaters in Palästina. Meine politischen Ansichten sind nicht auf den Nahen Osten oder den Staat Israel beschränkt, sondern gelten einer beträchtlichen Reihe von Themen. So habe ich über Gewalt und Ungerechtigkeit in anderen Teilen der Welt geschrieben und mich dabei vor allem auf Kriege konzentriert, die die Vereinigten Staaten führen. Auch habe ich über die Gewalt geschrieben, die transsexuellen Menschen in der Türkei zugefügt wird, über psychiatrische Gewalt, Folter in Guantánamo sowie über Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten in den USA, um nur einige Themen zu nennen. Und ich habe gegen den Antisemitismus in Deutschland sowie gegen die Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten angeschrieben.

Aus dem Englischen von Michael Adrian