Die Musik wummert, und ich lese den Leuten von den Lippen ab, was sie trinken möchten. Wenn das nicht geht, schreie ich: "Waaaaas?" Und mein Gegenüber schreit zurück. Oder ich muss mich zu ihm rüberlehnen. Ich hasse es, wenn Gäste über den Tresen greifen und mich anfassen. Ich mag es auch nicht, wenn sie mir etwas ins Ohr flüstern wollen. Ein Tourist hat mir vorhin seine letzten warmen und verschwitzten Münzen in die Hand gedrückt, und ich habe gezählt und gesagt, das reiche nicht mal für ein Bier. "Dann schenk mir eins", war seine Antwort. Ich habe ihm ein Leitungswasser hingestellt.

Die Luft ist stickig, und die Leute rauchen viel. Ich schwitze. Ich würde mich gern hinsetzen, aber die Bar ist irre voll, die Leute sind irre drauf und stinken. Stinke ich auch schon? Jeder Handgriff von mir wird beobachtet. Wie ich die Limette schneide, wie ich das Eis ins Glas schaufle, wie ich den Wodka hineingieße. "Mach ruhig noch ein bisschen mehr rein", brüllen viele. Dann mache ich aus Prinzip nicht mehr rein. Ich freue mich über die ruhigen und entspannten Stammgäste, mit denen trinke ich auch mal einen Kurzen aufs Haus. Heute nicht. Ich komme mir vor wie auf einem Spielplatz für Erwachsene. Jemand muss lachen beim Trinken und prustet auf die Bar. Ich wische es weg. Mein Kollege sagt immer: "Lass dir Zeit, die warten, die wollen nämlich was trinken." Ich kann das nicht: mir Zeit lassen. Die Blicke strengen mich an. Ich nehme meist mehrere Bestellungen gleichzeitig auf, um die Bar mit einem Schlag leer zu fegen, aber das klappt nicht. Die rücken nach wie die feindlichen Raumschiffe bei Space Invaders. Ich kassiere ab, gehe zur Kasse, ein Blick auf die Uhr. Zwei Minuten sind vorbei, immer noch sechs Stunden.
Babet Mader