In Roman Polanskis Verfilmung von Yasmina Rezas Theaterstück Der Gott des Gemetzels spielt Jodie Foster die rigorose Moralistin Penelope, die ihr Leben mit absolut politisch korrekten Ansichten über die Welt zutapeziert hat. Wer in ihren Dunstkreis gerät, wird sofort unter Druck gesetzt, sich zu den selben Werten zu bekennen. Je länger der Zuschauer Penelopes erpresserischem Diskurs lauscht, desto schwerer fällt es ihm, dieser Luxusmoralschleuder nicht an die Gurgel zu wollen. Die Heroine der politischen Korrektheit verbindet auf unerträgliche Weise Überheblichkeit und Besserwissertum, das sich im Gewand seiner Moralität unangreifbar macht. Und tatsächlich: Mit Gründen kommt man gegen ihre Ansichten nicht an. Will man ihrem Diskurs etwas entgegensetzen, bleibt einem nur der Zynismus als Ausweg. Dafür entscheidet sich Alan, von Christoph Waltz mit aasiger Macho-Allüre gespielt. Der Anwalt eines Pharmakonzerns, von Penelope in die Ecke gedrängt, wird immer mehr zum reaktionären Kotzbrocken, der seine animalischen Ego-Instinkte feiert. Der Gott des Gemetzels ist ein Schauspiel über die Wirksamkeit von moralischen Affekten und zynischen Ressentiments. Beides keine schönen Rollen.
Sachbuch: Was gesagt werden darf
Es wimmelt von Opfern – denn die politische Korrektheit beherrscht alle Debatten. Wie konnte das nur passieren? Es hilft die Lektüre von Matthias Dusinis und Thomas Edlingers großem Essay "In Anführungszeichen".