Als die Brosche noch keine Brosche war, konnte man unmöglich ohne sie aus dem Haus gehen. Der Vorgänger des ansteckbaren Schmucks war nämlich eine Mantelschließe, Fibel genannt. Sie ähnelte einer Sicherheitsnadel und diente dazu, Kleidungsstücke an den Schultern zusammenzuhalten. Im Altertum wurde sie oft als Grabbeilage verwendet, was erahnen lässt, wie wichtig sie war. Was soll man auch im Jenseits machen, wenn einem die Klamotten dauernd vom Leib rutschen?

Die Fibeln dienten aber nicht nur dazu, zusammenzuhalten, was zusammengehört. Sie kündeten auch vom Status des Besitzers. Bereits in der Bronzezeit wurden sie mit Figuren verziert. Die Römer gestalteten ihre Fibeln zum Teil so prachtvoll, dass sie sogar mit Luxussteuern belegt wurden. Die Fibel – und später ein ähnlich gestaltetes Teil namens Fürspann – sorgte fast 3.000 Jahre lang für den korrekten Sitz. Bis der Mensch gelernt hatte, mit dem Knopf umzugehen. Fibel und Fürspann waren nun in ihrer Funktion überflüssig – aber nicht, um damit ordentlich zu protzen. So entwickelte sich, zunächst am Hof Ludwig XIV ., im 17. Jahrhundert die Brosche zum reinen Schmuckstück.

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Mit Broschen zeigt man, was man hat und was man ist. Besonders modern war die Brosche in Verbindung mit der Kostümmode der dreißiger bis sechziger Jahre, sie galt als Statussymbol wohlhabender Damen. Elizabeth Taylor war eine Broschenliebhaberin, die Queen sieht man selten ohne Brosche. Auch Margaret Thatcher zeigte sich gerne mit angestecktem Schmuck. Zurzeit ist die Brosche wieder schwer in Mode: In Form einer Kamelie ist sie zum Markenzeichen von Chanel geworden, in der aktuellen Herbstkollektion wird sie aus Tweed den Farbtönen der Kollektion angepasst. Auch bei Ralph Lauren , Giorgio Armani und Bottega Veneta werden Broschen ans Revers gesteckt.

Trotzdem haftet der Brosche etwas Damenhaftes an. Broschen zeigen nun mal die Frau von Rang. Und vielleicht werden sie gerade deshalb so gerne getragen, weil man bei allem Jugendwahn lieber etwas erwachsener wäre. Allerdings: Die Queen wäre auch ohne ihre Broschen eine große Staatsfrau. Umgekehrt macht aber nicht jede Brosche eine Königin.