Er ist eine unverzichtbare Schlüsselgestalt in turbulenten Zeiten: der Macher. Einer, der keine großen Worte macht, sondern die Ärmel aufkrempelt, in die Hände spuckt, zupackt, jede günstige Gelegenheit erkennt und sie beim Schopf zu fassen kriegt.

Solche Männer braucht das Land. Männer der Tat. Doch leider waren sie schon immer dünn gesät, und heute sucht man sie vergebens. Weit und breit nur verzagte Gestalten, Zauderer, Grübler, tollpatschige Stümper. Es wäre zum Verzweifeln, gäbe es nicht ihn, den einzig wahrhaft Großen der Politik. Ein Solitär. Zwar wurde er oft belächelt, doch neuerlich stellt er unter Beweis, welche Qualitäten in ihm stecken.

Man mag es ihm gerne glauben, wenn er behauptet, er verkörpere die geballte Wirtschaftskompetenz des Landes. Er vereinigt in Personalunion die Ämter des konservativen Parteichefs, des Vizekanzlers und des Hauptverantwortlichen für die Bereiche Finanzen, Wirtschaft und Außenpolitik. Nur aus reiner Höflichkeit beschäftigt die Republik noch eigene Fachminister für diese Ressorts. Früher hieß es, wer unter der Ägide von Onkel Erwin aus St. Pölten als Vorsitzender der Volkspartei firmiert, sei gleichgültig. Das ist nun passé.

Heute ist es sein Wort, das in Stein gemeißelt steht – zumindest ein paar Tage lang. Elegant umspielt er alle Einmischungsversuche indem er es entweder vermeidet, Entscheidungen zu treffen, oder seine Standpunkte wechselt wie andere ihre Socken. Dank dieser geistigen Wendigkeit kriegt ihn niemand zu fassen. Das ist sein Erfolgsgeheimnis. Und der Erfolg gibt ihm recht: Immerhin kann er derzeit auf tolle Umfragewerte knapp jenseits der magischen Zwanzigprozentmarke verweisen.

Das alles spricht eindeutig gegen die von Politikwissenschaftern häufig geäußerte These, Michael Spindelegger sei lediglich eine Übergangslösung. Das ist falsch. Mag sein, dass er an der ÖVP-Spitze ein Übergangsphänomen ist, eine Lösung ist er wohl kaum.