Die Luster sind aus Kristall, die Sofas aus Leder, der Sims des offenen Kamins aus hellgrauem Marmor. In einem riesigen Flachbildschirm spiegeln sich Perserteppiche. Seit über 100 Jahren ist die Gemeinde Laßnitzhöhe als Luftkurort bekannt. Doch nirgends tut die Luft so gut wie im 350 Quadratmeter großen Penthouse der örtlichen Privatklinik.

Wer hier eincheckt, will nicht nur gesund werden, sondern gleichzeitig auch den Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels genießen. Vom Badezimmer aus blickt man über die sattgrünen Wälder des steirischen Hügellands. "Sie müssen sich vorstellen, für arabische Gäste ist das fantastisch", sagt Andreas Schwarz, Geschäftsführer der Sanlas Holding, die in Österreich fünf Pflegeeinrichtungen und fünf Kliniken betreibt, darunter das Haus in der Oststeiermark. Den Preis pro Übernachtung gibt es nur auf Anfrage. "Das hängt stark vom Krankheitsbild und dem in Anspruch genommenen Service ab." Jedes Jahr nimmt die Klinik rund 3.500 Patienten auf. Die Behandlung ausländischer Patienten ist für Sanlas ein Wachstumsmarkt. Russen, Ukrainer, Kasachen und Rumänen gehören hier wie in ganz Österreich zu den häufigsten Gästen. Auch global gesehen boomt der Medizintourismus. Ein Trend, den Österreich besser für sich nutzen könnte, meinen Experten.

Die Privatklinik Laßnitzhöhe hat sich auf die Rehabilitation nach neurologischen und orthopädischen Erkrankungen spezialisiert. Die Patienten lernen wieder gehen oder sprechen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall. Auch Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin sind im Angebot. Die Klinik beschäftigt auch Mitarbeiter, die Russisch oder Arabisch sprechen. "Österreich ist in Russland bekannt", sagt Schwarz. "Wladimir Putin kommt zum Skiurlaub nach Österreich, das hat eine gewisse Werbewirkung. Man weiß dort, dass hier die medizinischen Standards hoch sind." Die Kosten für die Rehabilitation betragen durchschnittlich 400 Euro pro Tag. Ausländische Gäste sind in der Regel fast ausschließlich Selbstzahler. Doch die Vorstellung von reichen Scheichs, die mit Geld um sich werfen, ist laut Schwarz längst ein überholtes Klischee. Es stammt noch aus jener Zeit, als der saudische König Ibn Saud oder der Schah von Persien regelmäßig mit ihrer Entourage nach Wien reisten, um den Internisten Karl Fellinger zu konsultieren.

Heute kommen die Kunden des Medizintourismus vor allem aus der gehobenen Mittelschicht. "Natürlich wäre es möglich, einen Prinzen zu beherbergen. Einen Hubschrauberlandeplatz haben wir ja", sagt Schwarz. Alljährlich machen sich Millionen von Menschen auf die Reise in ein anderes Land, um sich dort behandeln zu lassen. Wie viele es sind, weiß niemand genau. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezifferte das Marktvolumen des Medizintourismus vor sechs Jahren auf jährlich 50 Milliarden Euro. Die Wirtschaftskammer geht, basierend auf den Daten einer Studie des Beratungsmultis McKinsey, von 73 Milliarden Euro für das Jahr 2013 aus.

In der Türkei und in Thailand schossen moderne Patientenhotels aus dem Boden, die Spitzenmedizin zu Diskontpreisen bieten. In Mexiko fluten US-Amerikaner mit Zahnschmerzen und dünnen Brieftaschen die günstigen Zahnarztpraxen. Und auch österreichische Patienten suchen vermehrt Diskontbehandlung im benachbarten Ausland.

In Osteuropa weichen hingegen Kranke, die es zu Wohlstand gebracht haben, ihrem häufig maroden Gesundheitssystem in Richtung Westeuropa aus, wo Kliniken mit hoher Qualität auf sie warten. Wie viele ausländische Patienten nach Österreich kommen, ist nicht zentral erfasst. Die Wirtschaftskammer schätzt ihren Anteil auf acht bis zehn Prozent aller Patienten, die in einer der 19 heimischen Privatkliniken behandelt werden. Einige preisen ihre Leistungen im Internet inzwischen auch auf Russisch oder Arabisch an. Die Branche wächst – und doch verliert Österreich im europäischen Vergleich an Boden. In Deutschland oder der Schweiz wird es reichen Kranken um einiges leichter gemacht. Auf den großen Gesundheitsmessen in Dubai oder Moskau stehen die Stände der österreichischen Kliniken im Schatten jener Länder, die längst gemeinsam nach außen Präsenz zeigen. Gutes Marketing ist heute nötiger denn je. Wer die Außendarstellung vernachlässigt, treibt potenzielle Kunden zur Konkurrenz.