Der Fahrer des Kleinbusses nimmt die letzte Kurve mit sportlichem Schwung. Herr Gregorius hat Routine. Seit Jahren holt er die Patienten von Flughäfen, Bahnhöfen oder direkt aus Wien zur Behandlung ab. In der ebenerdigen Garage des Bratislavaer Hochhauses öffnet sich an der hintersten Wand ein weiteres Tor. Der Mitarbeiter bewegt das Fahrzeug in einen chromfarben schimmernden Aufzug für Autos. Der Lift setzt sich lautlos in Bewegung. Zwei Stockwerke höher befinden sich die Parkplätze und die Räume der Excimer-Augenlaser-Klinik. Der Warteraum ist wenig spektakulär. Draußen vor dem Fenster ragen im Stadtteil Karlova Ves teilweise noch aus kommunistischen Zeiten stammende Wohnsilos zu Dutzenden in die Höhe. Auch in der Klinik dominiert Funktionalität. Täglich werden hier bis zu 30 Behandlungen durchgeführt, die Geschäfte mit Medizintouristen laufen blendend. Jede Woche kommen 60 bis 100 Österreicher, um ihre Fehlsichtigkeit korrigieren zu lassen. Mehr als 3.000 sind es pro Jahr.

Auch wenn die Kosten für Augenlaserbehandlungen nur in seltenen Fällen von den Krankenkassen übernommen werden, haben Österreicher im Gegensatz zu Patienten aus vielen anderen EU-Ländern einen Vorteil, wenn sie zum Arzt ins Ausland fahren. Sie erhalten bis zu 80 Prozent jenes Betrages rückerstattet, den die Krankenkasse beim Besuch eines österreichischen Vertragsarztes hätte aufwenden müssen. Patienten können dadurch bei einem Zahnarztbesuch im Ausland ihre Behandlung durch kostengünstigere Zusatzleistungen aufbessern, für die sie in Österreich viel tiefer in die Tasche greifen müssten.

Augen lasern kostet in Bratislava nur ein Drittel

Seit 20 Jahren ist Nick Babczynski Teilhaber der slowakischen Privatklinik für Ophthalmologie. Der Großteil seiner Kundschaft besteht je zur Hälfte aus Österreichern und Slowaken. Patienten aus Brasilien, Paraguay und Tasmanien seien aber auch schon hier gewesen, berichtet er stolz. An normalen Wochentagen sind es aber die österreichischen Nachbarn, die sich in der Klinik tummeln. Sie sitzen in einem eigenen Warteraum. Es gibt Kaffee, Getränke, Sandwiches und eine Raucherlounge auf der Terrasse. Zwei Flachbildfernseher zeigen das Programm eines Musikfernsehsenders. Der Clip zum Song Laserlight flimmert über die Schirme. "You’re like a laserlight, burning up, burning down, on me", balzt die Sängerin. Die Wartenden schenken dem keine Aufmerksamkeit.

Die meisten habe Mundpropaganda hierhergeführt, erzählten die Patienten. Vor allem die konkurrenzlos niedrigen Preise haben sie über die Grenze gelockt. Eine Laserbehandlung von Sehschwäche an beiden Augen kostet in Bratislava rund 1.600 Euro inklusive Anreise, Verpflegung und der Medikamente für die Nachbehandlung. Würde der Eingriff 60 Kilometer weiter westlich in Wien durchgeführt werden, müssten die Patienten mit einer Summe zwischen 4.000 und 5.000 Euro rechnen. "Das slowakische Flat-Tax-System kommt uns zugute", sagt Babczynski. Die Löhne seien jenen in Österreich aber ähnlich. "Wir können deshalb so günstig anbieten, weil wir dermaßen viele Behandlungen durchführen." Manche Besucher sind lediglich hier, um die Angebote zu sondieren. "Nächste Woche fahren wir nach Salzburg und sehen uns eine weitere Klinik an", erzählt eine Wienerin, die den Urlaub nutzt, um mit ihrem Mann die passende Behandlungsmethode zu finden.