Parteierfolg ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig. Einige davon sind beeinflussbar, andere nicht. Ich habe auch immer wieder erlebt, dass es Trends gibt und Stimmungen, die man nur schwer erklären kann. In letzter Zeit scheinen sich solche Trends schneller zu ändern als früher. Auf das grüne Hoch nach Fukushima folgte überraschend schnell eine Baisse. Auf solche Entwicklungen haben die Parteipräsidenten wenig Einfluss. Das sind Rahmenbedingungen, denen sie ausgesetzt sind.

Heute wird von Parteipräsidenten erwartet, dass sie rund um die Uhr Erklärungen in den Medien abgeben. Sie äußern sich deshalb zu allen politischen Fragen – und oft auch zu allen möglichen und unmöglichen Fragen. Arenatauglichkeit wurde zum Qualifikationskriterium. Hauptsache, man kommt vor. Jede Auftrittsmöglichkeit wird genutzt, immer im Dienste der Partei.

Legendär ist der Auftritt von Ueli Maurer als Parteipräsident in einer Kindersendung des Schweizer Fernsehens, die sich aber als Comedy-Show herausstellte.

Ich bezweifle, dass dieses Dauerrauschen der Schweizer Parteipräsidenten nötig oder gar nützlich ist. Im Gegenteil. Die unüberlegten Stellungnahmen von Christophe Darbellay, die jeglichen politischen Kompass vermissen lassen, schaden der CVP zweifellos.

Und die neuesten Interventionen von FDP-Präsident Philipp Müller zur Kampfflugzeug-Beschaffung sind zwar Anlass zu innerbürgerlichem Streit, sodass zwischen FDP und SVP wieder einmal die Fetzen fliegen. Dass seine Partei davon profitieren könnte, scheint mir aber mehr als unwahrscheinlich.

Gibt es in den Parteien nicht auch Zuständigkeiten? Sachverstand bezüglich verschiedener Fragen? Sollten sich nicht die äußern, die etwas von der Sache verstehen?

Parteipräsidenten hätten eigentlich dafür zu sorgen, dass ihre Parteien gut funktionieren. Finanzen und Organisation wären da die Stichworte. Oder die Kampagnenfähigkeit. Sie hätten auch das politische Profil ihrer Partei über tagesaktuelle Sachfragen hinaus zu schärfen. Sie müssten also politische Überzeugungsarbeit nach innen leisten. Das ist natürlich wenig attraktiv und trägt erst mittelfristig Früchte.

Vielleicht gibt es einen simplen Grund für das Verhalten der Präsidenten. Die Parteien können sie nur unzureichend entschädigen. Der Lohn der Arbeit ist deshalb öffentliche Aufmerksamkeit. Eine Währung, auf die Politiker besonders ansprechen.

Es gab übrigens Zeiten, da haben nicht einmal die Mitglieder der FDP gewusst, wer ihr Präsident ist. Für die FDP waren es nicht die schlechtesten.