In der vergangenen Woche hat unsere aktuelle Lieblingszeitung, die stets gut gelaunte Süddeutsche , einen Artikel über einen dicken Schinken aus dem Berliner Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Das Buch, so schrieb der missgestimmte Rezensent, sei leider sehr »schlecht gelaunt« und so unverdaulich wie ein Sack Kartoffeln nach der Ernte. Liebe Süddeutsche , wie uncool ist das denn? Das übel zugerichtete Buch handelt davon, dass in der heutigen Gesellschaft die Menschen Tag und Nacht kreativ und erfinderisch sein müssen. Sein Autor heißt Andreas Reckwitz und ist jemand, der für einen deutschen, nicht in Münchner Biergärten beheimateten Soziologen richtig gut schreibt, aber zugegebenermaßen nicht so irre lustig wie unsere zentralbajuwarische Autoren-Combo, die seit gefühlten zwei Jahrzehnten in der weltberühmten Schumann’s Bar kreativ einsitzt und sich täglich zur blauen Stunde einen Martini Rosso einfüllen lässt, diesen mutig den Herz-Jesu-Wolken am Abendhimmel entgegenreckt und zum Geläut der Theatiner-Kirche feierlich gelobt, man werde im Schatten der Staatskanzlei weiterhin supertoll witzig sein und nie mehr bierernst an der zartbesaiteten Welt herumnörgeln, da sich dieses hypochondrische Wesen sonst gewaltig erschrecken und womöglich missvergnügt den Bach runtergehen könnte wie eine alte Milchtüte auf Gottes blauer Isar. Liebe Kollegen von der Süddeutschen Zeitung , wir schlagen vor, alle schlecht gelaunten Sachtexte der Weltliteratur fröhlich zu entfernen, nur die Lachgeschichten übrig zu lassen und am besten gleich mit dem Miesepeter Sokrates anzufangen, der lieber in Athen einen giftigen Schierlingsbecher austrank als in München einen süßen Martini Rosso auf Eis. Auch Jesus Christus hat man bekanntlich nie lachen sehen, ebenso wenig die stadtbekannten Schwerenöter Maria und Josef; der heilige Augustinus war mit seiner gottverdammten Erbsünde die größte Spaßbremse der Spätantike, Immanuel Kant ein naturbelassener Griesgram, der immer nur in Königsberg, aber nie in München weilte, Hegel ist weiterhin erlaubt, denn er war dauernd bekifft, Nietzsches Fröhliche Wissenschaft lieben wir, das ist Pop, und das darf bleiben, Karl Marx war ein mieser Meckerkopp, und das schwarze 20. Jahrhundert machen wir am besten gleich ganz dicht, denn seine Philosophen und Soziologen waren allesamt Partykiller, die nicht einmal Schumann’s Bar kannten, also weg damit, und dann ist endlich FINIS

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