An dieser Stelle werden mitunter große Geister mit weisen Erkenntnissen zitiert, etwa Buffet, Kostolany, Marx oder Seinfeld. In dieser Tradition und aus gegebenem Anlass soll es heute Perikles sein. Der attische Staatsmann sagte irgendwann im fünften Jahrhundert vor Christus, dass es nicht darauf ankomme, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, "auf die Zukunft vorbereitet zu sein". Und jetzt zur Euro-Krise: Ob es die Gemeinschaftswährung in 24 Monaten noch gibt, lässt sich nicht mit Sicherheit prognostizieren. Aber es bietet sich an, mit Wahrscheinlichkeiten zu operieren. Und danach zu handeln.

Sagen wir, Sie denken wie ich, dass der Euro mittlerweile eine 70-prozentige Chance hat zu überleben. Dann empfiehlt es sich, das Risiko in Ihrer Anlagestrategie jetzt leicht zu erhöhen. Sie könnten beispielsweise (wie ich) ein Zertifikat kaufen, das 15 südeuropäische Aktien beinhaltet und das im Wert steigen dürfte, wenn der Euro Bestand hat und es Südeuropa langsam besser geht. Zugleich sollten Sie allerdings darauf vorbereitet sein, dass die Zukunft schlechter wird (die restlichen 30 Prozent). Das können Sie tun, indem ein großer Teil Ihres Vermögens in einigermaßen sicheren Anlagen bleibt. Das muss nicht nur Tagesgeld, das können auch dividendenstarke Aktien großer nordeuropäischer oder amerikanischer Unternehmen sein. Und natürlich gilt es, wachsam zu sein und möglicherweise sehr schnell zu reagieren.

Sie merken: Perikles zu folgen ist verdammt schwer. Aber es lohnt sich. Dabei geht es inzwischen ja nicht einmal mehr darum, sein Vermögen zu vergrößern. Vermögenserhalt ist das Gebot der Stunde. Den schafft man allerdings nicht, wenn Inflation und Steuern die Niedrigzinsen bei Staatsanleihen und Sparguthaben auffressen. Man muss also ein wenig Risiko eingehen.

Übrigens glaube ich, dass Europas Banken- und Schuldenkrise irgendwann über Inflation "gelöst" wird. Aber das ist die fernere Zukunft. Die Vorbereitung darauf kommt dann später.