Was wäre die Welt ohne das Neue? Natürlich ganz die Alte und ziemlich authentisch. Das aber ist ein echtes Problem, vor allem für die Kosmetikindustrie, die sehr gut davon lebt, ihren Kunden tagtäglich neue Produkte gegen ein altes Phänomen anzudrehen – das Altern selbst. In den vergangenen paar Tausend Jahren ist die Branche mit dem Versprechen ewiger Jugend zwar konsequent gescheitert, aber für ihre ebenso ewigen Bemühungen verdient sie zumindest Anerkennung. Hätte sie doch nur so viel Erfolg wie Ideen!

L’Oréal beispielsweise. Die Firma verkauft Näpfchen mit der Aufschrift "Youth Code". Drin ist eine Paste mit "Verjüngungs-Effekt". Insoweit also nichts Neues, doch der Schocker folgt: "Inspiration aus der Genforschung" steht auf der Packung. Es gibt doch etwas Neues! Muss auch so sein, schließlich haben andere ja schon längst sämtliches Grünzeug, das Wiesen und Regenwälder so hergeben, in Cremes gerührt – von Ringelblumenextrakt über Patschuli bis zur Ylang-Ylang-Pflanze. Hat alles nichts gebracht, also keimt die Hoffnung jetzt im Labor. Ein paar Jahre lang wird man seine Kunden damit begeistern können.

Elegant ist das Inspirationsargument außerdem, weil es völlig inhaltsleer ist. Jeder kann hineindenken, was immer er möchte. Auch die Macher zahlreicher Horrorfilme haben sich von der Gentechnik inspirieren lassen (googeln Sie mal nach Troma Entertainment). Dass Gentechnik in der Realität bislang vor allem dazu beiträgt, dass von Landwirten gehasste Insekten einigermaßen zuverlässig tot vom Getreide kippen – geschenkt. Wer inspiriert ist, erklärt sich selbst zum Künstler und seine Werke zur Kunst. Und umgeht galant die Frage, warum Menschen, die Gentechnik unter keinen Umständen auf dem Teller haben wollen, sich diese allmorgendlich auf das verknautschte Gesicht schmieren sollten.