Er weiß, was Plattenbau auf Englisch heißt. Und dass Rentner sich nicht gern vom Sonnendeck vertreiben lassen. Tilman Birr hat auf einem Ausflugsschiff als "Stadtbilderklärer" gejobbt, Touristen von der Spree aus Berlin gezeigt. Nun erzählt der Lesebühnenautor von den Tücken seiner Branche, die sich schon bei der Vorbereitung zeigen: Soll er Bücher wälzen, oder reicht Wikipedia?

Erfindet er Anekdoten, auf dass mehr Trinkgeld fließe – oder bleibt er bei der schnöden Wahrheit? Später erlebt er, dass sein Text oft gar nicht gefragt ist. Etwa bei "Jetzt red i"-Bayern. Oder Spaniern, die ihm nur zuhören, wenn dann und wann das Wort "Bier" fällt. Manche Frage bringt selbst den Plauderprofi an seine Grenzen: "Wenn man nicht über die Mauer konnte – warum sind die Leute nicht außen herum gegangen?"

Birr betreibt keine Sozialstudien, er sammelt Anekdoten. Die allerdings sind so unterhaltsam, dass man gerne dabeigesessen hätte auf dem Ausflugsschiff. Am Ende der Saison hat Birr 400 Mal denselben Text in zwei Sprachen gesprochen. Und drei Urlauber davor bewahrt, sich den Kopf an der Rathausbrücke zu stoßen. Vor allem hat er gelernt, dass Touristen zweierlei wollen: ihre Vorstellungen krass widerlegt ("Wer hätte das gedacht?") oder eindeutig bestätigt sehen ("Hab ich mir doch gedacht!"). Alles dazwischen verwirrt nur. Und kostet Trinkgeld.