Die Querstreifen sind durch, die Zukunft gehört den Längsstreifen: Bei Kenzo und Christopher Kane liefen die Models beim Defilee komplett in Längsstreifen. Das Schweizer Modehaus Akris hat bodenlange, fein gestreifte Strickkleider im Programm.

Hatten Pullover mit matrosenmäßigen Breton-Streifen den Markt überschwemmt, bis jeder Mann wie Jean Paul Gaultier aussah, wird dieser Trend wohl an der Herrenmode vorbeigehen: Denn Längsstreifen wecken entweder Assoziationen mit Häftlingen oder mit Butlern. Die einzigen bekannten Männer, die Längsstreifen überzeugend tragen, sind Obelix und Bert aus der Sesamstraße, beide taugen nicht als role model. Das ist schade, schließlich lassen Längsstreifen einen größer und schlanker erscheinen.

Kein Mythos, sondern die Wahrheit: Es ist bewiesen, dass der Mensch wesentlich häufiger horizontale Bewegungen mit seinen Augen macht als vertikale. Das heißt, man schaut seltener nach oben und unten und häufiger nach links oder rechts. Die Folge ist, dass wir horizontale Strecken wesentlich besser abschätzen können als vertikale. Das kann jeder nachprüfen, indem er versucht, ein Quadrat zu zeichnen: Beim Nachmessen stellt man fest, dass die senkrechten Seiten etwas länger geraten sind. Eben – weil das Auge sich verschätzt.

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Wer nun einen Pullover mit Längsstreifen oder gar einen längs gestreiften Ganzkörperlook trägt, täuscht sein Gegenüber über seine wahre Größe, weil das Auge nichts Rechtes mit den Vertikalen anzufangen weiß. Das bedeutet übrigens nicht, dass Querstreifen zwangsläufig dick machen. Wer breite Querstreifen trägt, schneidet sich für den Betrachter in Scheiben, der Körper wird nicht mehr als Einheit wahrgenommen, was über unvorteilhafte Proportionen hinwegtäuschen kann.

Egal, wie man sich streift – am Ende sieht man im Zweifelsfall besser aus. Dies gilt übrigens ausdrücklich nicht für Obelix, der von sich stets behauptet, seine blau-weiß gestreifte Hose mache ihn schlank. Zu Zeiten der Gallier konnte man Vertikalen wesentlich besser abschätzen. Schließlich war man ständig damit beschäftigt, nach oben zu blicken, weil man fürchtete, der Himmel oder sonst etwas würde einem auf den Kopf fallen, beim Teutates.