Vor einem Jahr erschien in der Zeitschrift PNAS eine Arbeit von zwei Forschern der US-amerikanischen Duke University in Durham, in der sie zeigten, dass eine gewisse chemische Substanz ähnliche Effekte auf das Gehirn hat wie Kokain und Heroin.

Und just diese Substanz, Natriumchlorid, wird von den Lebensmittelkonzernen routinemäßig Produkten wie Kartoffelchips und Erdnussflips zugesetzt. Ist das der Grund, warum wir nicht von dem Knabberzeug lassen können, sobald die Tüte einmal geöffnet ist? Macht uns die Industrie systematisch zu Chips-Junkies?

Natriumchlorid ist natürlich nichts anderes als simples Kochsalz. Das ist, in Maßen genossen, eine lebenswichtige chemische Verbindung, von der unser Körper täglich einige Gramm braucht. Heute nehmen wir eher zu viel davon zu uns, aber für unsere Vorfahren war es sehr viel schwieriger, an Salz zu kommen. Deshalb entwickelte sich im Laufe der Evolution ein Mechanismus, der die mühsame Suche danach belohnt.

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Eine zentrale Rolle spielt dabei Dopamin, das "Glückshormon", das im Gehirn ausgeschüttet wird. Wolfgang Liedtke und Derek Denton fanden heraus, dass bei Ratten, denen man salzarme Kost verschrieb, dieselben Gengruppen im Hypothalamus aktiv wurden wie bei Junkies auf Entzug. Gab man ihnen dann wieder Salz, erhielten sie eine kräftige Dopamindusche. Die Forscher vermuten, dass harte Drogen diesen uralten Mechanismus "zweitverwerten", sie also lebenswichtige Schaltkreise im Gehirn ausnutzen, um den Menschen süchtig zu machen.

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