Im Sinne von John Lennon bin ich ein Träumer, im Wortsinn hingegen nicht. Ich träume eher selten und wenn, dann oft das Gleiche. Auffallend häufig träume ich davon, kein Abitur zu haben, etwa alle zwei Monate. Die Situation, in der ich mich dann befinde, ist ungefähr die: Ich bin bereits Musiker, lebe im Jetzt, und obwohl eigentlich Interviewtermine zu einem neuen Album anstehen, muss ich zurück in die Schule. Ich versuche dann, beides irgendwie hinzubekommen.

Das geht nur, indem ich schwänze. So kommt es, dass ich im letzten Schuljahr noch keine einzige Stunde im Biologieunterricht gesessen habe. Der Lehrer kennt mich nicht, er hat mich noch nie gesehen, immer nur auf meinen leeren Stuhl geguckt. Und nun muss ich plötzlich bei ihm eine Prüfung bestehen, um zum Abitur zugelassen zu werden. Alles läuft auf eine Konfrontation mit diesem Bio-Lehrer hinaus. Ich muss ihm erklären, warum ich immer gefehlt habe. Weil ich mich aber davor scheue, sage ich mir: Dann mache ich halt kein Abitur. In diesem Bewusstsein wache ich auf.

An meine echten Abi-Prüfungen habe ich eigentlich gar keine dramatischen Erinnerungen. Ich war damals mit vielem beschäftigt, mit der Schule eher weniger. Mit fünfzehn hatte ich angefangen, Musik zu machen und in Bands zu spielen, da blieb nicht viel Zeit fürs Lernen. Das Gymnasium, das ich besuchte, war naturwissenschaftlich orientiert. Es war in der Nähe unserer Wohnung, und alle meine Freunde gingen da hin. Aber leider waren Mathe, Physik und Chemie für mich der reinste Albtraum, und ich blieb deshalb zwei Mal sitzen. Ich war einfach stinkfaul. Beim Abi hatte ich das Glück, dass in der Prüfung in Geschichte die Weimarer Republik drankam – das war genau das eine Thema, auf das ich spekuliert hatte. Drei, vier Themen zu pauken, wie meine Mitschüler, das hätte ich gar nicht geschafft.

Mein Abiturzeugnis habe ich dann später allerdings nie ernsthaft gebraucht. Nach dem Zivildienst schrieb ich mich an der Uni für Englisch und Deutsch ein. Aber der Tag der Einschreibung war auch der einzige Tag, an dem ich die Uni je betrat. Etwa zeitgleich ging es mit der Musikkarriere los, mit meiner Band Freundeskreis. Wir bekamen einen Plattenvertrag und gingen ins Studio. Die Idee mit dem Studium hatte sich damit endgültig erledigt.

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Das nachzuholen, dafür hätte ich heute gar keine Zeit. Ich konzentriere mich lieber auf die Musik. Das Gute ist, dass man dabei viele sehr verschiedene Dinge vereinen kann: Songs schreiben, Alben produzieren, reisen, Filme drehen, Grafiken machen. Das alles lastet mich komplett aus.

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