Österreichischen Politikern kann niemand unterstellen, sie hätten zu wenig Humor. Das Gegenteil ist der Fall. Oft verfügen sie über so viel Sinn für witzige, geradezu aber- und irrwitzige Pointen, dass die drolligsten Reformvorhaben verwirklicht werden könnten. Man nehme beispielsweise erst den originellen Vorschlag, die Bundesbahnen an einen reichen Automagnaten zu verkaufen.

Kapitalistischer Unternehmergeist trifft auf gewerkschaftliches Klassenbewusstsein. Das riecht nach einem neuen Format für eine gnadenlose Realityshow im Privatfernsehen. Dazu werden einige Spitzenkräfte aus dem Magna-Konzern und verdiente Eisenbahnerfunktionäre vor laufenden Kameras in einen Container gesperrt und auf einen Güterzug verfrachtet, der bis zum bitteren Ende kreuz und quer durch das Land rattert.

Dem Überlebenden winken als Belohnung wahlweise entweder die uralten Pensionsansprüche aus der goldenen Eisenbahnerzeit, die ja leider außer Kraft gesetzt wurden, oder die goldene Fahrplanregel, nach welcher der Chef bestimmt, wo es auf den Geleisen langgeht – und ob überhaupt. Nach den grandiosen Erfolgen bei der Privatisierung von Staatsbahnen, etwa in Großbritannien, besteht durchaus Grund zu Optimismus, dass der frische Fahrtwind das notorische Sorgenkind rasch in ein Muster effizienter Mobilität verzaubern wird.

Rentabilität, für die ÖBB bisher nicht nur semantisch ein Fremdwort, wird nun zum entscheidenden Faktor der Verkehrsinfrastruktur. Verbindungen auf Nebenstrecken werden künftig zu Fuß bewältigt, und die Pendlerpauschale wird kollektiv in die Bilanz des Bahnunternehmens umgeleitet. Allen ist geholfen. Was gibt es Romantischeres, als über bemoosten Schwellen durch die Welt zu laufen?

Und noch einen erfreulichen Nebenaspekt eröffnet diese Perspektive: Nie wieder werden politische Schwergewichte in eine lästige Inseratenaffäre der Staatsbahn verwickelt. Es gilt nämlich nun der kurze Entscheidungsweg: Onkel Frank, der neue Fahrdienstleiter, gibt auch vor, was in der Zeitung zu stehen hat.