Das englische Königspaar war zu Gast auf einer Gartenparty in Perth. Queen Elizabeth begann, mit einer sehr dicken Frau zu plaudern, die zum wallenden weißen Kleid einen schwarzen Hut mit opulenten Schleifen trug. Prinz Philip, der Mann der Königin, wollte wissen, wer sie sei. Aber die Frau in Weiß lächelte nur wie ein schüchternes Mädchen; ihre Wangen liefen rot an. Es war der 28. Oktober 2011, Frühling in ihrer westaustralischen Heimatstadt. »Mit Ihrem Hut könnten Sie jemanden ernsthaft verletzen«, sagte Prinz Philip zu ihr, bevor er weiterging.

Die Unbekannte heißt Gina Rinehart, ihr gehört die australische Bergbaufirma Hancock Prospecting, die mit dem Abbau von Eisenerz und Kohle viel Geld verdient. Sie sei die reichste Frau der Welt, errechnete im April die australische Finanzzeitschrift BRW ; 23 Milliarden Euro sei sie schwer. Kurz darauf brach der Eisenerzpreis ein, was auch Rineharts Vermögen geschmälert hat, sodass das US-Magazin Forbes sie zwischenzeitlich auf Platz vier sah. Doch Experten erwarten, dass sich der Preis schon im Frühjahr wieder erholen wird. Gina Rinehart wird dann noch reicher sein.

Ihre Begegnung mit den Windsors ist charakteristisch für die 58-Jährige. Sie mag nicht erkannt werden, ist extrem öffentlichkeitsscheu. Und sie äußert sich nur, wenn sie es für unbedingt nötig hält. Nichts möchte sie von sich preisgeben; wenn möglich, nicht einmal ihren Namen.

Ihr Leben ist eine Geschichte wie aus einem Hollywoodfilm, wie aus Citizen Kane oder Der große Gatsby . Eine Geschichte von Ehrgeiz und Enttäuschung, von Liebe und Verrat und davon, dass Geld nicht glücklich, sondern hart macht.

Außerhalb Australiens ist Rinehart weitgehend unbekannt. Noch. Denn lange wird sie sich nicht mehr vor der Welt verstecken können.

Gina Rinehart ist auf dem besten Weg, nicht nur die reichste Frau, sondern sogar der reichste Mensch der Erde zu werden. Bald könnte sie den Mexikaner Carlos Slim von diesem Thron stoßen, sagt eine Untersuchung der australischen Wirtschaftspublikation Smart Company , die auf einer Studie der Citigroup beruht; auch Schätzungen von Forbes legen das nahe. Denn von den zehn vielversprechendsten Rohstoffminen, die zurzeit erschlossen werden, sind drei im Besitz von Gina Rinehart. Sie ist die einzige Einzelperson in der Liste, alle anderen sind Großkonzerne mit zahlreichen Aktionären, etwa Rio Tinto .

Im vergangenen Jahr hat sich ihr Reichtum verdoppelt. Sobald die neuen Minen in Betrieb sind, wird ihr Vermögen exponentiell wachsen.

Ihr Vater hatte einst Millionen Tonnen Eisenerz entdeckt

Wenn Rinehart in einigen Jahren die Rangliste der Reichen anführt, wäre sie die erste Frau überhaupt, die es so weit gebracht hat. Sie wird dann auch das Bild mitprägen, das die Welt von den Wohlhabenden besitzt. Bill Gates und Warren Buffett hatten mit ihren Milliardenspenden am Image des guten Reichen gearbeitet. Mit Rinehart würden die Berichte ganz anders ausfallen. »Was auch immer ich tue, das Haus Hancock kommt zuerst«, sagte sie als junge Frau. »Nichts wird dem im Weg stehen.«

Sie hat ihr Leben dem Traum ihres Vaters untergeordnet, Lang Hancocks. Er hatte Millionen Tonnen Eisenerz entdeckt und wollte sie selbst abbauen; dadurch hätte er ein Vielfaches verdient. Aber ihm fehlten die Sachkenntnis, Technik – und Durchsetzungskraft. Bis zum Tod blieb er auf die Hilfe anderer Konzerne angewiesen. Rinehart steht nun kurz davor, ihr Ziel, nein, eigentlich: sein Ziel zu erreichen.

Auf die Frage, ob Gina so hart im Nehmen sei wie er, hatte Hancock als junger Vater geantwortet: Oh, sie ist noch viel härter! Es ist eine besondere Zähigkeit, manche sagen sogar, eine Besessenheit, die Gina Rinehart so weit gebracht hat. Anders als ihr Vater beschaffte sie sich das nötige Know-how, um sich nicht mehr auf andere verlassen zu müssen.