Auf manchem Personalerschreibtisch dürfte es von Fußballerbewerbungen nur so wimmeln. Liest doch heute jeder Jobsuchende mindestens einen Ratgeber zum Thema "Perfekte Bewerbung" und findet darin Tipps wie diesen: "Belegen Sie Ihre Teamfähigkeit, indem Sie auf Ihre Aktivität in einer Mannschaftssportart hinweisen!"

Sportlichkeit gilt bei der Personalauswahl als Garantie für soziale Kompetenz. Dabei sind die Erkenntnisse dazu alles andere als gesichert. Es gibt Studien, denen zufolge Olympiateilnehmer besonders extrovertiert sind, und andere, die eher das Bild des introvertierten Wettkämpfers zeichnen. Ebenso wenig lässt sich mit Gewissheit sagen, ob Risikosportler besonders offen sind. Und jetzt warnt auch noch eine unveröffentlichte Studie der Hochschule Osnabrück davor, Mannschaftssportler für die besseren Mitarbeiter zu halten.

Rund 380 Probanden wurden um ihre Selbsteinschätzung zu sozialen Kompetenzen gebeten, darunter Nichtsportler, Individual- und Teamsportler. Ihre Werte wurden mit einer Normstichprobe von 4000 Menschen abgeglichen. Beim Vergleich von Sportlern und Nichtsportlern zeigte sich – überhaupt nichts. Und die Differenzen, die zwischen Individualisten und Teamplayern auftraten, waren so gering, dass sie statistisch nicht ins Gewicht fielen. So plausibel die altbekannten Heuristiken auch klängen, sie seien durch nichts belegt, schlussfolgert der Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning.

Was aber bleibt dem Personalchef, wenn er sich nicht einmal mehr darauf verlassen kann, dass ambitionierte Freizeitkicker besonders gut interagieren? Gesundes Misstrauen. Dann findet er im persönlichen Gespräch heraus, ob der "erfahrene Spielmacher", der seit seiner Jugend dafür "sorgt, dass die Teamkollegen ihre Stärken umsetzen können", womöglich doch nur aus einem Ratgeber abgeschrieben hat.