Der Streit zwischen Verlegern und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) dauerte über zwei Jahre. Die Spitzen des öffentlichen Rundfunks wollten, um ihre Chancen im internationalen Konkurrenzkampf zu verbessern, das hauseigene Internetangebot wesentlich ausbauen und darin auch aktiv Werbeflächen verkaufen. Dagegen liefen die privaten Verleger der Schweiz Sturm. Sie fürchteten, ihre Einkünfte im Onlinegeschäft könnten völlig zusammenbrechen, sollte die SRG zusätzlich im Internet Werbung akquirieren dürfen und so ihre Marktmacht, die sie im Fernsehgeschäft innehat, auch in den neuen Medien einsetzen können.

Daraus wird aber wohl nichts. Nach Recherchen der ZEIT hat Bundesrätin Doris Leuthard entschieden, dass die SRG auch weiterhin keine kommerzielle Werbung im Internet machen darf. Dieser Schiedsspruch war notwendig geworden, weil die Kontrahenten, trotz mehrmaliger Aufforderung der Medienministerin, nicht zu einem Kompromiss finden konnten oder wollten. Der Bundesrat, der sich noch 2010 generell dafür ausgesprochen hatte, der SRG Werbung im Internet zu gestatten, wird voraussichtlich in den nächsten Tagen über den Entscheid informieren.

In Detailfragen wie der künftigen Ausgestaltung und Erweiterung des Internetangebots (eigenständige redaktionelle Beiträge, Textlängen, Bildergalerien, Blogs, Themenspektrum) soll es aber durchaus zu Zugeständnissen an den öffentlichen Rundfunk gekommen sein. Das ist auch nötig, will die SRG doch im November ein inhaltlich stark ausgebautes Newsportal präsentieren.

Mit dem Werbeverbot im Internet haben die Verleger einen für sie wichtigen Sieg errungen. Bei einem gegenteiligen Verdikt wäre wohl das neue Businessmodell einiger Verleger arg ins Wanken geraten.

Verlagshäuser wie NZZ und Tamedia planen oder stehen kurz vor der risikoreichen Einführung einer sogenannten Paywall. Die welsche Tageszeitung Le Temps kennt schon eine solche. Mit dieser Bezahlschranke will man erreichen, dass die Leser für hochwertige redaktionelle Inhalte, die bislang umsonst ins Netz gestellt wurden, ein Entgelt entrichten. Ob sie dies angesichts des riesigen Angebots an Gratis-News auch in genügender Zahl tun, steht in den Sternen – 20 Minuten Online etwa, das zweitgrößte Newsportal der Schweiz, welches zu Tamedia gehört, wird weiterhin frei zugänglich sein. Hätte die SRG auf ihrem Internetportal werben dürfen, wären die Verlagshäuser mit dem Errichten von Paywalls viel zurückhaltender. Denn wer hätte für tolle Texte, Bilder und Videos bezahlt, die auf den Portalen der Privaten auf ihre Käufer warten, wenn der Leser, Hörer und Zuschauer dasselbe Angebot bei den Öffentlich-Rechtlichen umsonst kriegt?

Ob der Entscheid von Doris Leuthard in einem umfassenden Sinne weise war, ob er also einem möglichst breiten und qualitativ hoch stehenden medialen Angebot dient, wird sich erst in Zukunft zeigen. SRG-Generaldirektor Roger de Weck argumentierte immer damit, dass sich die Schweiz einen solchen Wettbewerb auf so kleinem Raum nicht leisten könne. Verleger und SRG sollten besser zusammenarbeiten, um ihre Kräfte gegen die ausländischen Privatsender und künftige Mitbewerber wie Facebook- oder Google-TV zu bündeln. Nicht zuletzt deshalb ist Online-Werbung den Öffentlich-Rechtlichen in anderen kleinen Ländern wie Island, Belgien und Österreich erlaubt.

Es kann sein, dass die Verleger in ihrem Kampf nur einen Pyrrhussieg errungen haben. Ihre Logik lautete: Was die SRG nicht bekommt, das bekommen wir. Wenn sie sich da mal bloß nicht getäuscht haben.