Schön, wenn man beginnt, nostalgische Gefühle zu entwickeln und seine Umwelt mit Anekdoten aus der guten alten Zeit zu versorgen. Früher war ja bekanntlich alles besser. Damals, als ich noch jung war. Jetzt, kurz vor Beginn der Midlifecrisis, fällt einem plötzlich auf, dass man eine Vergangenheit hat.

Zu den schönen Erinnerungen gehört jener Werbespot, den die Allianz damals erfolgreich in meinem Langzeitgedächtnis installierte. Da besang eine mit Gitarrenklängen unterlegte Männerstimme einen Autounfall in Italien, bei dem irgendwas mit Tomaten passierte, aber schon bald alle wieder strahlten, denn: "Mit der Allianz beginnt vom ersten Augenblick – ein festes Bündnis mit dem Glück." So ähnlich war das.

Wie viel Wahrhaftigkeit steckt doch in dieser Liedzeile. Noch bedeutet ein Versicherungsvertrag in der Regel ein Bündnis mit dem Glück. Freilich nicht für den Kunden, sondern für die Versicherung. Und das aus mehreren Gründen: Erstens zahlt der Kunde regelmäßig seine Prämien. Zweitens lässt er die Summe üblicherweise abbuchen, sodass er nicht groß drüber nachdenkt, weswegen er schließlich drittens im Lauf der Jahre völlig vergessen haben dürfte, wogegen er sich so alles versichert hat. Die Versicherungsgesellschaften sprechen in solchen Fällen gern von "langfristigen und vertrauensvollen Kundenbeziehungen" – ebenjenem Bündnis mit dem Glück.

Jedes Jahr im Spätsommer mache ich mir mal den Spaß, meine Versicherungen zu optimieren und überflüssige Policen zu kündigen. Wie kam ich noch mal an eine Brillenversicherung, deren Jahresbeitrag so hoch ist wie eine Markenbrille samt Gläsern? Wieso habe ich auf einmal drei verschiedene Reisekrankenversicherungen? Na, weil die Dinger oft inklusive sind, etwa wenn man sich eine Kreditkarte zulegt. Und warum zahle ich für eine vergleichbare Autoversicherung zehn Prozent mehr als bei der Konkurrenz?

Verbraucherschützer mahnen regelmäßig zur Policen-Kehrwoche. Ein guter Rat, der viel Erkenntnis und Geld bringt. Und echte Glücksgefühle.