Die Menschen sind doch komisch. Was verleitet sie zum Beispiel, weiblichen Nachwuchs mit dem Vornamen Olivia zu belasten? Warum nicht gleich Sonnenblume? Gibt auch gutes Öl. Oder Raps, falls es sich um männlichen Nachwuchs handelt? Ist sehr bekömmlich und kann sogar Motoren antreiben. Was den Namen Olivia besonders verdächtig macht, ist der Umstand, dass er seit seinem Auftauchen in Shakespeares Was ihr wollt erst wieder verstärkt gegen Ende des 20. Jahrhunderts in Umlauf gekommen ist – keine gute Referenz, alles in allem. Besser wird Olivias Leumund auch nicht dadurch, dass sich prominente Namensträger vornehmlich im Pop- und Filmbusiness finden, wo guter Geschmack bekanntlich als geschäftsschädigend gilt. Manchmal lassen sich lächerliche Vornamen indes durch den Nachnamen retten, Jutta Ditfurth war so ein Beispiel, aber viel geholfen hat es auch nicht. Im Falle von Olivia haben wir lange nachgedacht und könnten uns etwa den Familiennamen Peperoni vorstellen, Olivia Maria Peperoni. Klingt vielleicht etwas scharf, aber Olivia Maria Ciabatta wäre auch keine rechte Alternative – macht dick, würde ich sagen. Dagegen: Raps Knäcke! Das wirkt schlank und gesund. Olivia Extra Vergine könnte natürlich als mediterranes Gegenstück durchgehen, aber nur wenn man einmal davon absieht, dass Mädchen heute wohl kaum ein Leben lang auf Jungfräulichkeit festgelegt werden wollen und Extra kein wirklich amtlich anerkannter Vorname ist. Olivia E. Vergine wäre unser Kompromissvorschlag; dem Standesamt gegenüber sagte man einfach, E. stünde für Emilia. Apropos: Was spricht eigentlich gegen Emilia, ich meine, nicht vor oder nach Olivia, sondern anstatt? Wie in dem berühmten Witz von dem Rabbiner, der religiös erlaubte Mittel der Empfängnisverhütung empfehlen soll – und »Eis essen« vorschlägt. »Vorher oder nachher?« fragt die verblüffte Frau. Die Antwort des Rabbiners: »Anstatt.« Mit anderen Worten: Die alternativlose Situation, auf die sich heute so viele Politiker herausreden, gibt es gar nicht. Wenn von zwei Wegen, die man gehen könnte, keiner Erfolg versprechend erscheint, bleibt immer noch die Möglichkeit des Sitzstreiks. Das war, meiner unscharfen Erinnerung nach, auch genau die Handlungsoption, die von Jutta Ditfurth nahegelegt wurde. Einziges Problem: dass auch Sitzstreiks auf Dauer dick machen.

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