Jukka Poika ist ein finnischer Reggae-Sänger. Die Mädchen himmeln ihn an, er gewinnt viele Preise. Hän haluu huussin heißt sein neuester Hit, »Er will ein Trockenklo«. Vermutlich meint Poika nicht sich selbst damit, denn ganz bestimmt hat er längst ein Häuschen, ein huussi . Die meisten Finnen verbringen ihre freie Zeit im mökki , der Sommerhütte. Eine halbe Million soll es in Finnland geben – und zu jeder gehört ein stilles Örtchen irgendwo mitten in der Natur.

Ihre Zahl wächst um 8.000 bis 9.000 im Jahr, schätzt Jukka Lindroos, der seit 20 Jahren die Technik optimiert – ein Unternehmen mit Zukunft. In Finnland gibt es Seminare, in denen die Leute über das umweltfreundliche Geschäft aufgeklärt werden. Das Fernsehen zeigt stolze Häuschenbesitzer mit dem neuesten geruchsfreien Ökomodell, und Ende August lud der finnische Trockenkloverband zu einer internationalen Konferenz.

Das stille Örtchen ist den Finnen eine Kindheitserinnerung, eine Herzensangelegenheit, wie das oft eingeritzte Herz in der Tür beweist. Carl Ludwig Engel, der einst das historische Zentrum Helsinkis entwarf, zeichnete ein Plumpsklo mit 18 Sitzen. Die Armee im westfinnischen Niinisalo besaß eines mit 120 Sitzen. Und auf dem Land findet man noch heute familiäre Anlagen aus den Fünfzigern. »Die haben oft drei Löcher, mit einem niedrigeren für Kinder«, erklärt Lindroos.

Sein eigener Schuppen hat nur ein Loch, ist aber himmelblau angemalt. Weil die Farbe so schön ist, aber auch, weil sie Fliegen abhalten soll. Die Tür besteht aus zwei Teilen – ein kleiner Raum mit Weitblick: »Wenn ich mich setze, lasse ich den oberen Teil auf. Dann schaue ich direkt aufs Meer und höre die Vögel zwitschern. Es ist der schönste Platz auf Erden.« Hier komme er auf die besten Ideen, sagt Lindroos und zitiert den Anfang eines Gedichts des Schriftstellers Arvid Järnefelt, das er an die Wand gepinnt hat: »Usein maailmassa avarassa, ei toivon kipinää näy, vaan tässä huoneessa ahtahassa meille aina hyvin käy.« Frei übersetzt heißt das: »Da draußen in der großen Welt verliert sich noch der letzte Funken Hoffnung, aber hier in diesem kleinen Raum sind wir frei von Sorgen.«

Am schönsten seien die frühen, blassen Momente am Morgen, sagt Juhani Seppovaara. »Es ist dann ganz still, und wenn man lange da sitzt, sprechen die Bäume zu einem.« Der ehemalige Banker, jetzt Fotograf und Autor, hat ein Spitzdach auf sein Häuschen gesetzt. Für die Brille nahm er Styropor: »Das hält im Winter schön warm.«

»Das Bauen liegt uns Finnen im Blut«, sagt Seppovaara. Als er mit der Schüssel fertig war, hat er den Bau geschmückt, mit einem Bücherregal (leichte Lektüre), einer Kerze und einem Konterfei des Langzeitpräsidenten Urho Kekkonen.

Gerade hat die Tageszeitung Ilta-Sanomat zum Wettbewerb aufgerufen: Wer hat das schönste Klo im ganzen Land? Das Gewinner-Häuschen wird auf einer Briefmarke verewigt. Eine ähnliche Idee hatte Seppovaara schon vor 15 Jahren. Damals zog er los und fotografierte die Plumpsklos seiner Landsleute. Am Ende hat er zu den Puucees ein Buch herausgegeben. Puu heißt auf Finnisch »Holz« – HC statt WC, wenn man so will. Es steht versteckt im Wald oder auf einem Granitfelsen am Meer. Die Tür knarrt, wenn man sie öffnet, und man kann sie mit einem kleinen Haken schließen. Zieht man die Vorhänge zur Seite, fällt der Blick aufs Wasser. Bei einem ist ein metallenes Waschbecken an die Außenwand geschraubt, ein gelbes Handtuch an einem Nagel flattert im Wind.