Sagt man eigentlich noch Verkuppeln, oder müsste es in Zeiten des Netzes nicht Verlinken heißen? Und wer war eigentlich zuerst da: Tom Cruise oder Scientology? Fragen, die sich mit neuer Dringlichkeit stellen, seit das Magazin Vanity Fair die Welt mit seiner neusten Enthüllungsgeschichte schockte: Scientology ist demnach weder eine kriminelle Vereinigung zur Unterhöhlung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie der deutsche Verfassungsschutz argwöhnt, noch eine gefährliche Sekte, die den Leuten weismachen will, dass Jesus in Wirklichkeit L. Ron Hubbard heißt, wie die katholische Kirche fürchtet, noch eine unheimliche Kommune, die Berliner Kinder auf dem Schulweg anspricht, um sie in ihrer Zentrale in der Otto-Suhr-Allee 30 an Lügendetektoren anzuschließen, sondern einfach bloß eine Art Casting-Agentur, die dem unglücklichen und, seien wir ehrlich, etwas klein geratenen Millionär Tom Cruise dabei hilft, neue Frauen zu finden. Dabei soll es allerdings durchaus etwas wunderlicher zugehen, als man das von herkömmlichen Speed-Dating-Partys oder parship.de kennt.

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Wir erfahren, dass die soeben frisch geschiedene Katie Holmes gar nicht die erste Wahl war, sondern die im Iran geborene Schauspielerin Nazanin Boniadi. Boniadi soll zur Unterzeichnung einer Geheimhaltungserklärung gezwungen worden sein und musste angeblich ihre Zahnspange, ihre Haartönung sowie ihren damaligen Freund aufgeben, wobei wir uns nicht auszumalen wagen, was am schlimmsten war. Erst dann durfte sie mit Cruise in einem japanischen Nobelrestaurant speisen und soll sich wie gewünscht auch heftig verliebt haben. Boniadi schied aber aus, weil sie es offenbar an den Ohren hat und Scientology-Chef David Miscavige mehrfach akustisch nicht verstand, was der nicht leiden kann. Sektenführer sind bekanntlich eigen.

Auch nach dem Bericht bleiben viele Fragen offen: Warum braucht einer wie Cruise überhaupt die Hilfe einer professionellen Liebesvermittlung, um eine Frau zu finden? Vor allem aber: Handelt es sich bei Tom Cruise womöglich selbst um eine Erfindung von Scientology? Kuppeln kommt übrigens von dem lateinischen Wort copula. Na, klingelt da etwas? Nicht was Sie denken. Francis Ford Coppola heißt der Regisseur, der 1983 einen Film mit dem Titel The Outsiders gedreht hat, in dem ein gewisser Tom Cruise mitspielt. Wir sind da einer ganz heißen Sache auf der Spur. Geben Sie Ihre Beißschiene auf und alle anderen Zeitungen, und unterzeichnen Sie eine Verschwiegenheitserklärung, dann erfahren Sie alles.