Jay Parikh ist ein kleiner Mann, dem seine Glatze steht. Wie so viele bei Facebook trägt er Jeans und ein schlichtes Hemd, und er formuliert so akkurat, als würde jeder Satz gedruckt. Wahrscheinlich muss man so sprechen, wenn man Chef von Dutzenden Programmierern ist und jene Codezeilen programmieren lässt, die das größte Soziale Netzwerk der Welt zusammenhalten. Parikh ist für die Computer-Infrastruktur von Facebook verantwortlich und will an diesem Morgen in der Firmenzentrale darüber sprechen, was er Big Data nennt. »Uns interessiert alles. Und wir wissen jetzt schon, dass wir bei manchem erst in der Zukunft merken werden, welchen Wert es für uns hat. Ah, wir haben diese Daten, vielleicht können wir damit Folgendes machen.«

Wenn der riesige Informationsberg nicht helfe, Facebook als Unternehmen voranzubringen, entstünden nichts als Kosten. »Dann ist das ein Wissenschaftsprojekt.«

Seit Mai dieses Jahres ist Facebook an der Börse notiert. Seitdem fällt der Aktienkurs, und mit jedem weiteren Prozentpunkt, den der Kurs verliert, wächst die öffentliche Kritik. Es gibt schon das passende Schlagwort: Facebook Fatigue – Ermüdung. Das Soziale Netzwerk hat stets polarisiert. Das Produkt eines Genies, das Millionen Menschen zusammenbringt, sahen Fans und Mitarbeiter darin. Eine Datensammelmaschine, die Privatestes für kommerzielle Zwecke missbraucht und wenig Rücksicht auf die Interessen seiner Nutzer nimmt , erkannten andere.

Hinter allem, argumentiert der Kolumnist Chris O’Brien von Mercury News, der die Entwicklung im Silicon Valley seit 13 Jahren beobachtet, steckt eine viel größere Frage: »Wenn Facebook nicht der Businessbrummi ist, für den wir es gehalten hatten, was bedeutet das für all die anderen Start-ups, die langfristig auf Werbeerlöse setzen, um ihre Rechnungen zu bezahlen?«

Was Parikh erzählt, tippen acht Journalisten simultan in acht Laptops von Apple. Einmal im Monat lädt Facebook einige Technikjournalisten in die Zentrale im kalifornischen Menlo Park und nennt es Whiteboard Lunch. Es gibt Pizza aus großen weißen Pappschachteln, und Parikh führt mit seinem Vortrag quasi in den Maschinenraum des Unternehmens. Tausende Algorithmen durchkämmten dort die Datensätze, dessen Kern noch in einem einzigen Rechenzentrum liege, sagt er. »So optimieren wir ständig, wie und wo Anzeigen geschaltet werden.«

Parikh formuliert ein Versprechen für die Aktionäre: Wir werden noch kommerzieller. Für viele Facebook-Mitglieder klingt es wie eine Drohung.

»Wie sehr ist den Nutzern denn bewusst, was ihr da alles sammelt?«, fragt ein junger Journalist. »Das steht doch alles in den...«, Parikh zögert, er sucht ein Wort, Blackout. Er schaut zu einer der Pressefrauen, die sofort hilft: »...in den Nutzungsbedingungen«.

Man könnte diese Szene als ein Beispiel dafür verwenden, wie wenig man bei Facebook an die Nutzer denkt, aber das wäre nicht nur billig, man würde Parikh auch Unrecht tun. Wenn man ihm stattdessen ein wenig zuhört, versteht man besser, wie dieser Konzern sich selbst sieht und weshalb Facebook für junge Programmierer nach wie vor zu den beliebtesten Arbeitsplätzen zählt.