Ihre Geschichte erzählt sich gut vom Ende her. Einfach deshalb, weil sich am Schluss noch einmal die Essenz ihres Charakters zeigte, ihre Angriffslust, gepaart mit dem Beharren auf bestimmten Werten, die sie ihr Leben lang verteidigt hatte und nun in Gefahr sah. Längst wusste sie, dass ihr nach langem Kampf gegen den Krebs kaum noch Zeit bleiben würde. Auf wen noch Rücksicht nehmen, wozu? Das war nie ihr Ding gewesen, zumal sie ja immer auch sich selber den größten Einsatz abverlangte. Und nun hatte sich dieses eine, unfassbare Bild ins kollektive Gedächtnis gebrannt, ein Bild wie ein Brandmal – und sie war als Zeugin dabei gewesen. Also schoss sie entschlossen zurück, mit ihren Waffen: mit Worten.

Natürlich blieb das nicht folgenlos, doch dem drohenden Prozess entzog sie sich auf ultimative Art. Der Tod kommt, wann er will, das hatte sie schon als Mädchen erfahren. Mit 14 schleuste sie als Fahrradbotin Kassiber und Waffen durch bedrohliches Terrain, getarnt mit der Fahne des Feindes. Sie tat das dem Vater zuliebe, der fast gestorben wäre im Verlies. Todernst Katz und Maus zu spielen wurde von da an zur Passion der hochintelligenten jungen Frau. Unbeirrt riskierte sie Kopf und Kragen, wurde verletzt und einmal beinahe lebendig begraben. "Im Krieg weint und stirbt man. Basta", sagte sie nur. Und dass sie hier sei, um zu zeigen, "dass der Krieg unnütz und dumm ist, der grausamste Beweis für die Idiotie der irdischen Rasse".

Um zu bekommen, was sie wollte, ging sie meist ungewohnte Wege. Ihr Einsatz kostete sie den Mann, den sie liebte, eine Familie, die sie hätte haben können, und vermutlich die Gesundheit. Dass sie zwischendurch mal ihren Job in Hollywood ausübte, mag man im Rückblick kaum glauben – ausgerechnet sie im Jahrmarkt gezuckerter Eitelkeiten? Aber es war wohl nur eine Atempause, die sie brauchte, um dann erneut ihrer mutigen Mission zu folgen. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 37

Grigorij Jefimowitsch Rasputin (1869 bis 1916) war Starez, religiöser Führer und sibirischer Schamane. Mehrmals gelang ihm, Hämorrhagien des Zarewitsch zu heilen, die Zarin sah deshalb in ihm einen gottgesandten Ratgeber