DIE ZEIT: Scheich Afifi, haben Sie den Schmähfilm gegen den Propheten Mohammed gesehen?

Scheich Talaat Afifi: Nein, ich habe ihn nicht gesehen und rate niemandem dazu, sich so etwas anzutun. Das bloße Ansehen ist eine Sünde.

ZEIT: Das müssen Sie erklären.

Afifi: Es ist verboten, dass ein Muslim etwas sieht oder hört, das seinem Glauben widerspricht. Wenn man weiß, dass der Inhalt eines Videos oder einer Karikatur sich gegen Gott und seinen Propheten richtet, darf man sich nicht damit befassen.

ZEIT: Auch wenn Sie das Video nicht gesehen haben, haben Sie wahrscheinlich eine Meinung dazu.

Afifi: Das ist ein Anti-Islam-Film. Er beleidigt alle Muslime – und deswegen rufe ich alle Gläubigen auf, ihn zu boykottieren. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

ZEIT: Ein Boykott ist aber schwierig in den Zeiten von Internet und Satellitenfernsehen.

Afifi: Gott sagt im Koran: "Böse Menschen sind in der Gesellschaft von bösen Menschen gut aufgehoben." Die Macher dieses Films wollen Hass und Gewalt verbreiten. Doch sie haben das Gegenteil erreicht: Wir lieben unseren Propheten, wir verehren ihn jeden Tag ein bisschen mehr. Er lebt in unseren Herzen, und wir werden ihn mit jeder Faser davon verteidigen.

ZEIT: Manche Radikale verstehen unter Verteidigung Gewalt gegen westliche Botschaften.

Afifi: Kein Mensch sollte solch eine Beleidigung seines Propheten hören und dazu schweigen. Wir sollten unsere Religion verteidigen, aber ohne Mord, ohne Gewalt. Ich frage mich, was es bringt, einen Botschafter zu töten? Ein Gebäude in Brand zu setzen? Eine Fahne zu verbrennen?

ZEIT: Wer ruft da zur Gewalt auf?

Afifi: Diejenigen, die schon festgenommen wurden und ihre gerechte Strafe bekommen werden, das sind alles Leute mit eigenen Interessen. Sie wollen Kapital aus der ganzen Geschichte schlagen. Es sind immer wieder die Gleichen, die Probleme machen. Das sind keine Repräsentanten des Islams. Es sind Extremisten mit einer eindeutigen Agenda, die das Land destabilisieren wollen, sodass wir nie zu einem guten Leben kommen können. Das ärgert mich.

ZEIT: Wen meinen Sie damit?

Afifi: Die Kader des alten Regimes haben ein großes Interesse daran, uns Probleme zu bereiten. Und dann sind auch noch die selbst ernannten Dschihadisten am Werk, die im Namen des Islams willkürlich Menschen töten. Im letzten Jahr starben dadurch vor allem viele unschuldige Muslime in Ägypten.