Was für eine gloriose Reihe: Marianne Breslauer, Ilse Bing, Yva, Gisèle Freund, Germaine Krull, Aenne Biermann, Ruth Hallensleben, Frieda Riess, Suse Byk, Lucia Moholy ... und so viele Fotografinnen mehr, die als junge Frauen in der Weimarer Republik Furore und Fotogeschichte machten. Zu dieser Generation gehört auch Lotte Jacobi, Tochter einer Fotografenfamilie, 1896 in Thorn an der Weichsel geboren. Eigentlich wollte sie weg vom Gewerbe der Alten, wollte Imkerin werden und alles Mögliche andere. Aber dann erlag sie doch dem angeborenen Talent, stieg in das väterliche Unternehmen ein, das nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin umgezogen war – und wurde eine der Großen ihrer Zunft.

Das Käthe Kollwitz Museum in Köln zeigt jetzt mehr als 100 Bilder Jacobis, in denen sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Im Mittelpunkt die Porträts aus dem Deutschland der Zwanziger, sowohl Auftragswerke als auch Pressefotos. Ikonen der Fotokunst sind darunter wie ihre Bildnisse von Lotte Lenya, Karl Valentin, Käthe Kollwitz, Klaus und Erika Mann oder der Tänzerin Niura Norskaya von 1929. Daneben stehen ihre Reportagen aus der Sowjetunion der frühen dreißiger Jahre, ihre Arbeiten aus dem amerikanischen Exil (Thomas Mann und Albert Einstein in Princeton, 1938) und aus ihren späteren Jahren in den USA, wo sie 1990 auch gestorben ist. »Mein Stil ist der Stil der Menschen, die ich photographiere«, hieß eine ihrer Maximen – ein Bekenntnis zum Individualismus in einer brutalen Epoche, die auf den Einzelnen keine Rücksicht nahm.