1. Ärzte und Ärztinnen befinden sich in einem Dauerkonflikt zwischen dem Wohl des Patienten und den wirtschaftlichen Zielen der Klinik. Wenn ein Arzt sich in einem konkreten Fall, seinem Gewissen folgend, gegen die Klinik stellt, darf er nicht allein gelassen werden. Ärztekammern sollen Ärzten, die sich gegen ökonomische Vorgaben der Klinik wenden, den Rücken stärken. Sie sollen Schiedsstellen einrichten, vor denen Konflikte ausgetragen werden können.

2. Ärzte und Ärztinnen ordnen sich zu bereitwillig ökonomischen und hierarchischen Zwängen unter und verlieren dabei mitunter das Wohl des Patienten aus dem Auge. Es gibt in deutschen Krankenhäusern eine Kultur des vorauseilenden Gehorsams, die durch eine übermäßige Abhängigkeit der Assistenzärzte von Ober- und Chefärzten während ihrer Weiterbildungszeit gefördert wird. Deshalb sollen Weiterbildungskataloge für Chefärzte verbindlich gemacht werden. Die Ärztekammern sollen diese überprüfen.

3. Der vorrangige Zweck von Krankenhäusern ist es nicht, Renditeerwartungen zu befriedigen. Die Ökonomie soll der Medizin dienen, nicht umgekehrt. Bonusverträge, die ärztliche Entscheidungen beeinflussen, sind deshalb unethisch.

4. Ärzte und Pfleger verbringen zu wenig Zeit mit Patienten und zu viel Zeit mit Dokumentation und berufsfremden Tätigkeiten. Ihre Arbeit soll von fachfremden Aufgaben entlastet werden.

5. Nicht nur Ärzte müssen die Ökonomie verstehen – Ökonomen müssen auch die medizinische Seite im Blick haben. Deshalb gehört zur Ausbildung von Gesundheitsökonomen ein Pflichtpraktikum auf Station.

6. Gesprächsschulung und Supervision sollen fester Bestandteil der Arbeit sein.

7. Auch Patienten können dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem bezahlbar bleibt. Durch eine transparente Darstellung der in Anspruch genommenen Leistungen und durch Selbstbeteiligung können Kosten gespart werden.

* Dieses Manifest haben die Teilnehmer des ZEIT-Gesprächs – Susanne Sänger, Ursula Stüwe, Paul Brandenburg, Michael Scheele und Urban Wiesing – gemeinsam formuliert. Es soll eine Debatte über das gegenwärtige Gesundheitssystem anregen.