7.30 Uhr morgens am vergangenen Samstag auf dem High-Tech-Gelände in Berlin-Adlershof. Richard Branson ist für ein paar Stunden nach Deutschland gekommen. 2009 hat er die Initiative Carbon War Room gegründet. Sie will Unternehmer, Erfinder und Geldgeber zusammenbringen, um neue Konzepte fürs Klima zu entwickeln und weltweit umzusetzen . Deshalb veranstaltet sie hochrangige Brainstorming-Treffen. Und nun war man gemeinsam mit dem deutschen Partner Triad Berlin dafür erstmals in Deutschland.

Am Samstagmorgen kommt der Milliardär aus Großbritannien dazu. Er trägt ein dunkles Samtjackett über einem offenen weißen Hemd, die blond-weißen Haare sind in der Mitte gescheitelt, der Bart ist sorgfältig geschnitten. Der Konferenzleiter hält ihm die Hand hin, »umarmen Sie mich«, sagt er mit ausgebreiteten Armen. Der Ton ist gesetzt. Branson wirkt gelöst und erzählt, wie er neulich in Japan ein Auditorium um Fragen bat, und als niemand reagierte, bot er an, er werde dem ersten Fragensteller einen Erste-Klasse-Flug nach Europa spendieren. Die Zuhörer in Berlin schweigen kurz, aber keiner erhält einen Flug.

Dann die Präsentation der Brainstorming-Ergebnisse. Es geht darum, wie Trucker sich gegenseitig informieren können, wenn sie noch freien Laderaum haben. Später um ein Effizienz-Rating für die Industrie. Schließlich darum, wie man ganze Inseln mit sauberer Energie versorgt. Erst eine, dann zehn, dann alle.

Branson ist konzentriert, aber man merkt ihm an: Wenn der Vortragende nicht präzise und witzig redet, wird er unruhig. Das »Fantastisch« am Ende klingt dann nicht mehr ganz so herzlich. Und doch: Mit seiner leisen, klaren Stimme stellt er Fragen, die zeigen, er hat genau zugehört.

Nach einer halben Stunde ist alles gesagt. Ein Fototermin noch mit den Teilnehmern, und Branson hat Zeit fürs Interview. Einen Kaffee braucht er. Dann ist er wieder entspannt und ganz bei der Sache. Übrigens, in einer halben Stunde muss er zum Flieger.

DIE ZEIT: Jemand, der Ihnen nahesteht, hat gesagt, wenn es ihm Spaß machen soll, frag ihn nach den Sex Pistols. Also – die Sex Pistols. Warum gerade die?

Richard Branson: Ich hatte ein unabhängiges Musik-Label in den Siebzigern, und die Sex Pistols waren mit mein erster Klient. Ohne sie säßen wir heute nicht hier. Nachdem wir sie gewonnen hatten, kamen die Rolling Stones, kam auch Genesis. Die Sex Pistols haben meiner Firma Virgin geholfen, überhaupt auf die Beine zu kommen. Ohne sie hätten wir keine Airline. Ohne sie hätten wir keine Bank.

ZEIT: Und ohne sie würden Sie heute nicht versuchen, die Welt zu retten.

Branson: Ja, eins ist aus dem anderen entstanden. Ich bin neugierig, will immer etwas Neues lernen. Deshalb hat Virgin neue Felder besetzt. Jetzt verbringe ich 90 Prozent meiner Zeit damit, gemeinnützige Organisationen aufzubauen. Ich bin nun mal einer von denen, die glauben, dass die Erderwärmung ein ernstes Problem ist. Aber selbst wenn ich falschliege, müssen die Volkswirtschaften autark in ihrer Energieversorgung werden. Das Öl geht aus, da sind wir besser fantasievoll und bewahren die wertvollen Naturschätze, die wir haben.

ZEIT: Daher also der Carbon War Room?

Branson: Den haben wir aufgebaut, um mit der Industrie zu arbeiten, statt sie zu attackieren, wie es ein Teil der grünen Bewegung macht. Unser Ziel ist es, 25 Gigatonnen an Kohlenstoffen aus der Atmosphäre herauszubringen und gleichzeitig der Industrie zu helfen, Geld zu verdienen und zu sparen, indem sie kein teures Öl aus Übersee kaufen muss. Wir wollen unsere Volkswirtschaften wohlhabender und gesünder zugleich machen. Dabei entstehen aufregende Ideen und Geschäftsmöglichkeiten. Wenn Leute zum Beispiel meinen, sie können Geld verdienen, indem sie eine Insel mit Öko-Energie versorgen, dann werden sie das tun. Als Unternehmer weiß ich, was die Welt bewegt.