Vermutlich geht es vielen Menschen wie mir. Am Ende des Tages leere ich meine Hosentaschen, finde dort vielleicht ein altes Taschentuch, eine Büroklammer und ein paar Münzen. Kleingeld, 1-, 2- oder 5-Cent-Stücke, auch mal was Größeres. Das Geld wandert in eine kleine Kiste im Flur, vielleicht brauche ich es später. Doch dummerweise lasse ich es am nächsten Morgen regelmäßig dort liegen, sodass ich all die kleinen Einkäufe des Tages wieder mit Scheinen bezahlen muss, nur um abends neue Münzen für die Kiste zu haben. So geht das weiter. Bis die Kiste voll und schwer geworden ist und ich mich frage: Was jetzt?

Einmal bin ich eines Tages mit den Münzen aus meiner Kiste in meine Bankfiliale spaziert und dachte, die Leute da kippen das in eine Maschine, wo es durchrattert, und dann schauen wir mal, wie viel da so zusammengekommen ist. Von wegen! So eine Maschine gab es zwar, aber das Durchlaufenlassen sollte um die 20 Euro kosten. Als kostenlose und kundenfreundliche Alternative reichte man mir bunte Zettel aus Papier zum Selbereinrollen der Münzen. Das war sogar überraschend kontemplativ, ich habe daheim mehrere Stunden so verbracht. Es ist gar nicht so leicht, einen Stapel aus 1-Cent-Stücken so aufzureihen, dass beim Einschlagen ins Papier nichts wegkullert.

Ich habe gelernt, dass meine Bank mit dem Thema Kleingeld nicht viel zu tun haben möchte. Das ist symptomatisch für eine Zeit, in der es vielen nur um das ganz große Geld geht. Menschen scheinen nur als "Ultra High Net Worth Individuals" für die Finanzindustrie interessant zu sein, also als Superreiche. Bei Vermögensvermehrung und Steuervermeidung helfen Banken ja gern. Andere müssen sich selber helfen.

Abgeben durfte ich die Rollen bei meiner Filiale übrigens nicht. Rollen würden nur bei der nächsten Zentralfiliale entgegengenommen, hieß es, dort fuhr ich mit dem Auto hin. Mein Kontostand war anschließend um 71,30 Euro gewachsen. Immerhin. Es war mir ein innerer Weltspartag. Und davon abgesehen ein Tag, den ich mir gern erspart hätte.