Die Hetzjagd auf die politischen Lichtgestalten in Kärnten nimmt lächerliche Ausmaße an. Da erhält ein Richter den niedlichen Kosename "Kröte", und schon bläst die Jagdgesellschaft zum fröhlichen Halali auf die tierlieben Verantwortungsträger. Traurig, dieses Unwissen. Natürlich ist nicht ganz so klar, in welchem Bedeutungszusammenhang dieser nom d’affection steht. Kröte im Sinn des schnöden Mammons ist auszuschließen, wiewohl dies kaum als Beleidigung anzusehen wäre.

Die Kröten, Familienname Bufonidae, sind Amphibienwesen, von denen es weltweit über 500 unterschiedliche Arten gibt, über deren Klassifizierung in taxonomischer Sicht große Uneinigkeit herrscht. Nicht nur rein äußerlich erinnern Kröten an Frösche, sie sind mit ihnen auch versippt. "Sei kein Frosch", sagt man flapsig und will damit eine verzagte Person zu mehr Courage ermuntern.

Daher wurde ja der Richter auch ganz bewusst nicht zu einem grünen Hüpfer verniedlicht. Der Unterschied zwischen Frosch und Kröte ist im wahrsten Sinne des Wortes springend, denn Letztere ist dazu nicht imstande. Gerade diese Erdverbundenheit ist es, die einen Mann des Gesetzes auszeichnet. Zugegeben, die Kröte zählt nicht zu den ansehnlichsten Lebewesen, aber das äußere Erscheinungsbild darf wohl in der Rechtsprechung kein Kriterium sein. Das Wiener Idiom lässt uns auch bisweilen "die Krot’ schlucken".

Das bedeutet nichts anderes, als mit einiger Überwindung eine unliebsame Tatsache zu akzeptieren. Die Justiz ist eben kein Wunschkonzert, auch hier ist also keine Injurie zu erkennen. Offen bleibt jetzt nur die Frage, warum sich nun jedes Krötengericht in Kärnten plötzlich für befangen hält. Die Herpetologie kennt die Antwort. Eine Verwandte der Kröte in der großen Sippe der Froschlurche ist bekanntlich die Unke. Und wenn diese ruft, steht Ungemach bevor. Also gab man den Fall ab, um den Angeklagten zu schützen. Reine Menschlichkeit mitten im Reich der Tiere.