Das hat natürlich mit den Protagonisten zu tun. Der Arbeitgeber, die Universität Zürich, ist eine öffentliche Einrichtung, finanziert im wesentlichen durch Steuergelder. Und der Arbeitnehmer, Christoph Mörgeli, ist ein profilierter und polarisierender Nationalrat. Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist offensichtlich ein Arbeitskonflikt: die Frage, ob die Leistungen des Arbeitnehmers in der Beurteilung eines neuen Chefs genügen oder nicht. Eine alltägliche Situation in Dutzenden von Arbeitsverhältnissen. Die Universität war offenbar bemüht, die Angelegenheit auf dieser Ebene auszutragen. Mitarbeiterbeurteilung, Zielvereinbarung und was der Dinge mehr sind aus dem Werkzeugkasten des Human Resources Management. Die Öffentlichkeit hat da nichts zu suchen.

Dass so etwas lange auf dieser Ebene würde bleiben können, war aber nicht sehr wahrscheinlich. Die Universität ist ein heterogenes Gebilde mit zig Gremien und Entscheidungsträgern. Indiskretionen sind da nur schwer zu verhindern. Es ist eher verwunderlich, wie lange – offenbar seit vergangenem November – nichts an die Öffentlichkeit drang. Und auch auf Seiten des Arbeitnehmers musste man wohl spätestens in einer Entscheidungsphase mit Reaktionen in der Öffentlichkeit rechnen. Dass die Angelegenheit aufgrund einer Indiskretion über einen unter Verschluss gehaltenen Bericht an die breite Öffentlichkeit gelangte, ist zufällig. Früher oder später wäre das ohnehin passiert.

Aber muss uns die private Arbeitsleistung eines Nationalrats interessieren? Darf sie uns interessieren? Ich meine eigentlich Nein. Die Amtsausübung geht uns etwas an. »Werden die Amtspflichten erfüllt?«, so lautet bei einem Nationalrat die relevante Frage. Ich meine, man muss zwischen öffentlicher (Amts-)Person und privater Person unterscheiden. Ob jemand eine versierte Buchhalterin, ein fleißiger Student oder ein erfolgreicher Unternehmer ist, muss bei der Beurteilung von Politikern nicht interessieren. Auch eine schlechte Buchhalterin, ein fauler Student oder ein mittelmäßiger Unternehmer können ihr Amt gut ausüben. Wie man ihre Politik beurteilt, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt.

Relevant für die Öffentlichkeit wäre aber die Frage, ob man neben einem Nationalratsmandat überhaupt noch einen eigentlichen Beruf ausüben kann. Der Mythos Milizparlament steht da einer ehrlichen Antwort wohl im Wege.

Und bei der Universität? Hier ist sicher von öffentlichem Interesse, dass sie ihre Mittel wirksam, wirtschaftlich und sparsam einsetzt. Das verträgt sich nicht mit ungenügenden Leistungen von Mitarbeitenden. Die Universität untersteht diesbezüglich einer öffentlichen Rechenschaftspflicht. Gleichzeitig hat sie aber die Persönlichkeit ihrer Angestellten zu schützen. Da besteht ein gewisses Spannungsverhältnis. Bei öffentlich exponierten Stellen wird die Universität nicht darum herumkommen, über arbeitsrechtliche Maßnahmen zu informieren. Ob solche Maßnahmen rechtmäßig waren oder nicht, haben aber die Gerichte und nicht die Öffentlichkeit zu entscheiden. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass in Kenntnis der Fakten und nach Maßgabe gesetzlicher Normen entschieden wird. Nicht aufgrund von Mutmaßungen und Gefühlslagen.