Künftig werden marode spanische Banken auf das Geld deutscher Sparer zurückgreifen, um sich zu sanieren. Künftig werden hoch spekulative Investmentbanker von grundsoliden Sparkassendirektoren rausgehauen, wenn eines ihrer Geschäfte schief gelaufen ist. Den Eindruck konnte gewinnen, wer dieser Tage Zeitung las.

Genossenschaftsbanken und vor allem Sparkassen wehren sich gegen die Pläne der EU für eine Bankenunion. Diese sehen neben einer europäischen Aufsicht auch europäische Lösungen für die Abwicklung gestrauchelter Institute und die Absicherung von Kundeneinlagen vor. Vor allem Letzteres ärgert die Deutschen. Doch die Aufregung darüber ist übertrieben, ja künstlich. Was die EU plant, ist eine Konsequenz aus der Krise.

Zunächst einmal: Es geht nicht um die Einlagen selbst, sondern um die Einlagensicherung, die Gelder der Kunden im Fall einer Bankenpleite schützen und einen Ansturm aus Angst verhindern soll. In Deutschland gibt es eine gesetzliche Sicherung, zudem Fonds, die Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken für ihre Bankengruppe eingerichtet haben. Nun, so die Sorge, sollen Banken anderer Staaten auf diese Rücklagen einseitig Zugriff bekommen, das mühsam über Jahre Angesparte verschleudern dürfen. Die Sparkassen fordern, dass auch andere Länder Schutzssysteme aufbauen.

Genau das will auch die EU. Die Arbeit an der 2010 angeschobenen Richtlinie über Einlagensicherungen will sie beschleunigen, ganz wie es die Sparkassen wünschen. Und Binnenmarktkommissar Michel Barnier fordert explizit, dass andere Länder eigene nationale Fonds nach deutschem Vorbild errichten. Einige Türen, die die Sparkassen einrennen, stehen also bereits offen.

Soll zusätzlich zwischen den nationalen Sicherungssystemen ein länderübergreifendes Netz gewoben werden? Ja, sagt die EU. Sie möchte, dass ein nationaler Fonds sich bei seinen Pendants im Ausland Mittel borgen kann, wenn er selbst an seine Grenzen stößt. Barnier konzediert, dass dies erst ginge, wenn es die nationalen Fonds gebe. Die Sparkassen aber fürchten, dass sie derlei Kredite, einmal vergeben, kaum wiedersehen. Und sie fürchten die Idee einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung, wie sie der EU als nächster Schritt vorschwebt (in welcher Form, ist derzeit noch offen).

Dass insbesondere die Idee eines Netzes nationaler Fonds nicht so absurd ist, zeigt ein Blick auf die existierende Einlagensicherung. Gerät eine Sparkasse in Schwierigkeiten, eilt erst ein regionaler Fonds herbei. Ist dieser überfordert, stehen ihm die anderen regionalen Fonds zur Seite. Somit helfen im Zweifel schon heute die Sparkassen in Bayern aus, wenn eine Sparkasse in Schleswig-Holstein kippt. Ein Netz über nationale Grenzen hinweg würde der regionalen und deutschen Ebene nur eine europäische Ebene hinzufügen. Wer an dieser Stelle kritisiert, dass die nationalen Aufsichtsbehörden bisher unterschiedlich streng kontrolliert und Pleiten oft nicht verhindert hätten, übersieht, dass eine Europäisierung der Aufsicht Teil der EU-Pläne ist.