ZEIT: Leere Räume, in die Sie reingehen und einfach irgendetwas sagen...?

Rolston: Ja, Sie haben recht, da fehlt etwas. Wir brauchen neue Schnittstellen für die Interaktion mit dem Computer. Menschlichere Schnittstellen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel.

An der Wand erscheint ein weiteres Video. Es zeigt Wink, eine Kreation aus dem Amsterdamer frog-Büro, von der Mark Rolston hellauf begeistert ist. Wink sieht wie eine altmodische Schreibtischlampe aus und eigentlich auch so ähnlich wie das launische Lampenduo aus dem ersten Pixar-Kurzfilm Luxo Jr. (1986). Wink hat eine Kamera vorne eingebaut. Man kann Wink eine Anweisung erteilen, dann geht der Apparat in Habachtstellung und nickt. Dann kann man weiterarbeiten, und Wink legt den Kopf schief und schaut unauffällig-desinteressiert seinem Herrn und Meister zu. Wie ein guter Butler stets bereit, helfend einzugreifen.

Rolston: Das Lustige ist, wie viel Charakter da eingebaut ist. Das Ding ist süß! Dieser kleine Kerl kann uns sehen! Er ist die Schnittstelle, mit der der Computer merkt, wenn wir auf Dinge im Raum zeigen. Aber zugleich hilft uns seine Persönlichkeit dabei, mit dem Computer im Raum zu kommunizieren. Ich kann mir so etwas künftig auch an Bankautomaten vorstellen, an allen Arten von Informationsschaltern, in Fahrkartenautomaten und so weiter.

ZEIT: Mal ehrlich, brauchen wir das?

Rolston: Ja! Diese Art von Persönlichkeit hilft den Menschen bei der Interaktion mit dem Computer. Vor allem dann, wenn sie in einer komplizierten Situation stecken; die Leute wissen nicht unbedingt, was der Computer in diesem Moment für sie tun kann oder wie sie überhaupt einen Computer bedienen sollen.

ZEIT: Ein Beispiel?

Rolston: Ein Bahnhof der Zukunft wird wissen, wie viele Tausende Menschen sich gerade wohin bewegen, wo sie sich zusammenballen und so weiter. Der einzelne Mensch hat diesen Überblick nicht, er ist gestresst, weil er herausfinden muss, wo er jetzt hinmuss. Wenn wir Informationen haben, die in einer freundlichen Weise personifiziert werden, ist das eine wesentliche Hilfe.

ZEIT: Erinnern Sie sich noch an Clippy, die freundliche Büroklammer im Microsoft-Word-Programm, die zu den unmöglichsten Momenten plötzlich auf dem Bildschirm auftauchte und nutzlose Hinweise gab?

Rolston: Also, Clippy ist das Letzte, was wir bauen wollen! Clippy tat schlauer, als sie in Wirklichkeit war. Sie fragte: "Was kann ich für Sie tun?", und in Wahrheit konnte sie wirklich sehr wenig tun. Doch das ist hier anders.

ZEIT: Weil diese komische Schreibtischlampenkamera mehr weiß als Clippy?

Rolston: Darin steckt die nächste Herausforderung. Wir bekommen aus dem Internet immer noch sehr, sehr rohe Daten geliefert. Künftig müssen weniger Daten geliefert werden, die der Computer zu dichteren Informationen komponiert. Ich will von Facebook nicht mehr erfahren: "Person A befindet sich in einem italienischen Restaurant und hat als Status gesetzt: Isst Nudeln." Nein, wenn ich gerade Hunger habe, soll der Computer mir sagen: "Vier Ihrer Freunde sind in der Nähe, und diese zwei hier haben auch noch nichts gegessen."

ZEIT: Was sind die ersten konkreten Produkte, auf die wir uns einstellen sollten?

Rolston: Für große Computerhersteller arbeiten wir heute bereits an der Gestaltung ganzer Räume. Der nächste Schritt sind dann Lösungen für ganze Gebäude, dann für den öffentlichen Raum – die ganze Stadt. Aber es sind nicht nur die Computerfirmen, für die wir arbeiten! Es gibt auch Hersteller von Hauselektronik, von Lichtschaltern, die uns fragen: Wie können wir den physischen Schalter ersetzen, indem man einfach sagt: "Licht an, bitte!"? Und kann man den Lichtschalter bald auch fragen: "Wie ist das Wetter draußen?"

ZEIT: Wenn man die Geräte gar nicht mehr sieht, werden die Designer dann irgendwann arbeitslos?

Rolston: Das ist das große Problem einer Industrie, die darauf getrimmt ist, viele Gegenstände mit vielen Gesichtern zu designen. Die Dinge sind schon viel kleiner geworden – schauen Sie sich ein iPhone an, so eine kleine Kiste, so eine winzige Bühne für den Auftritt des Designers! Und irgendwann wird sogar dieses Ding verschwinden. Was ist dann die Bühne? Es muss die Qualität der Erlebnisse sein, in diesen neuen Räumen. Oder vielleicht eine besonders menschengerechte Schnittstelle zum Computer. Vielleicht auch eine Lampe, von der man sagt: Die hat einen angenehmen Charakter!