Im Buch Schauspiel des Geistes (Exzelsior Verlag) breitet Michael Negele die Geschichte des Blindschachs aus, bei dem ohne Ansicht des Brettes gespielt wird. Schon im 14. Jahrhundert spielten im Reich des mongolischen Herrschers und Schachliebhabers Tamerlan Meister an fünf Brettern gleichzeitig blindsimultan, wobei sie Gedichte rezitierten. Und bereits 1266 zollte man einem Sarazenen namens Buzecca bei einem Besuch in Florenz größte Bewunderung, als er an zwei Brettern blind gegen die führenden Meister der Stadt gewann. Doch von jeher wird vor den gesundheitlichen Gefahren des Blindsimultanspiels gewarnt. Der argentinische Großmeister Miguel Najdorf jedenfalls schwor sich nach seinem Weltrekord an 45 Brettern 1947 in São Paulo , als er nach 23 Stunden Spiel trotz ärztlichen Beistands die ganze Nacht nicht schlafen konnte und Angst hatte, verrückt zu werden: "Nie wieder!"

Jacques Mieses hatte jedoch ein Antidot gefunden: "Einige Stunden angenehmer Geselligkeit sind mir nach jeder Blindvorstellung sehr erwünscht und dazu, als Conditio sine qua non, Alkoholgenuss – etwas mehr als gewöhnlich... Wer das Unglück hat, grundsätzlicher Antialkoholiker zu sein, der soll abends nicht blind und überhaupt nicht ernst Schach spielen."

Mit welch wunderbarer Kombination setzte Fritz Sämisch als Weißer am Zug bei einer Blindvorstellung an acht Brettern 1949 in Bern einen gewissen Koller matt?

Lösung aus Nr. 41:

Welcher taktische Schlag vergrößerte das Übergewicht des Weißen? Mit dem Qualitätsopfer 1.Te1xe5! wurde der Blockadespringer gewaltsam aus dem Weg geräumt und so dem Läufer die "Schusslinie" c4–g8 freigelegt. Nach 1...dxe5 2.Dxe5 Df8 3.d6! exd6 4.Txd6 Te8 5.Dxf4 Te1+ 6.Kh2 Te7 7.Tf6 Kg7 gab Schwarz gleichzeitig auf