Taxichauffeur ist ein sehr wichtiger Beruf. Er lenkt mit ruhiger Hand seine Passagiere zu der angegebenen Adresse. Stockt der Verkehr, weiß er einen Schleichweg, auch wenn der nicht immer ganz legal ist. Man vertraut ihm. Hat man zu viel über den Durst getrunken, kann man sich ihm getrost anvertrauen. Er ist ein fröhlicher Geselle, lacht gerne. Man erfährt meist wenig über ihn, und das ist in der Regel auch besser so.

Manchmal ist er auch ein kleiner Schelm und wählt nicht den kürzesten Weg. Dann zahlt man mehr als nötig und merkt es oft gar nicht. Kaum hat der Passagier auf dem Rücksitz Platz genommen, schon steht er bei dem Chauffeur in der Kreide, ohne dass auch nur ein Meter zurückgelegt worden wäre.

Der Gebührenzähler tickt auch erbarmungslos, wenn das Taxi im Stau feststeckt. Doch das ist der Deal. Man zahlt immer. Ein Taxler ist in der Lage, zu jedem Thema ungefähr das zu sagen, was sein Fahrgast gerne hören möchte. Er ist Experte für alles und nichts. Eigentlich wäre er der ideale Kanzler. Führungsqualität gepaart mit höchster Flexibilität. Kein Wunder also, dass Werner Faymann einst das Jusstudium abbrach, um Taxi zu fahren. Es hätte ihm zwar nicht geschadet, sich etwas länger mit Paragrafen auseinanderzusetzen.

Dadurch wäre ihm vielleicht sein gegenwärtiger Ärger erspart geblieben. Aber der Umstieg ins Taxigewerbe war als Vorbereitung auf seine verantwortungsvolle Aufgabe sicher sehr wertvoll. Das Volk als ein Kollektiv von Taxipassagieren zu betrachten ist ein sowohl in Theorie als auch Praxis der Staatskunst wegweisender Ansatz. Natürlich könnten die Leute auch zu Fuß gehen. Aber wenn es regnet und stürmt, sind Taxis plötzlich unverzichtbar. Vielleicht ist das der oft vergebens gesuchte programmatische Ansatz des Bundeskanzlers.