Alles schon gesagt, über den Überflieger, den Überschallmann, den neuen Träger von drei bis fünf Weltrekorden, von deren Existenz bis vor Kurzem nur die Guinnessbuch-Redaktion wusste? Haben wir Felix Baumgartners letzte Worte vor dem Sprung ("ganz schön hoch hier"), seinen Werbewert (mehrere Hundert Millionen Euro), seine Zukunftspläne (Hubschrauberpilot) und den Überschallknall, den niemand hören konnte, zur Genüge gewürdigt? Sind auch die normativen Fragen, die dieses Abenteuer aufwirft, nebst unserer eigenen Fehlbarkeit (wie würden wir urteilen, wenn Baumgartner gestorben wäre?) hinreichend bedacht? Ja? Gut.

Dann wäre hier noch ein letzter klitzekleiner Gedanke, den man all diesen gewichtigen Erwägungen hinzufügen könnte, ehe wir schwören, über Felix Baumgartner und mögliche Überschallsprünge aus beliebigen Höhen nie wieder eine Zeile zu verlieren (jedenfalls nicht so bald). Der Gedanke ist dieser: Wie ungeheuer reich muss eine Gesellschaft sein, die es sich leistet, mit einem Experiment die Frage zu beantworten, ob es wirklich möglich ist, aus 39 Kilometern Höhe und so weiter, und so fort?

Es ist ja nicht so, dass irgendjemand dies zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit als eine sonderlich drängende Frage empfunden hätte, außer möglicherweise Felix Baumgartner selbst. Schon gar nicht lassen sich irgendwelche Erkenntnisse für die Raumfahrt oder sonstige Menschheitsprojekte aus dem Experiment herausdestillieren, wie Baumgartners Sponsor Red Bull der Welt nun weiszumachen versucht – und damit nur beweist, dass er für die Schönheit seines eigenen Unternehmens vollkommen unempfänglich ist.

Gerade die vollkommen zweckfreie Neugier, das Tun ohne jede Andeutung eines möglicherweise damit verbundenen Nutzens, macht doch die Schönheit dieses Überschallabenteuers aus. Und dass zu den Ressourcen, die da so großzügig verschwendet wurden, nicht nur Geld, Helium und eine Menge Ballonhüllen zählen, sondern auch Mut, Erfindungsgeist und – jedenfalls mit nennenswerter Wahrscheinlichkeit – die Lebensjahre eines gesunden Erwachsenen, das macht Baumgartners Fall zu etwas ganz Besonderem. Dies freilich ist ein Gedanke, den man über das Ende dieses Satzes hinaus besser nicht verfolgen sollte. Denn sonst könnte es am Ende scheinen, als hätte der Überschallsprung womöglich doch einen Sinn gehabt.