ZEITmagazin: Herr Jehs, Herr Laub, im Herbst 2010 hat das ZEITmagazin Designbüros gebeten, Vorschläge einzureichen, wie man Alltagsgegenstände verbessern könnte – und Sie haben mitgemacht.

Markus Jehs: Ja, es wurden damals mehrere Entwürfe von uns abgedruckt, unter anderem eine neu gestaltete Wärmflasche, die wir »Pill« nannten.

ZEITmagazin: Was ist danach passiert?

Jürgen Laub: Wir wurden bombardiert mit Bestellungen. Leute haben sogar bei mir zu Hause angerufen, nur um zu erfahren, wo sie diese Wärmflasche kaufen könnten.

Jehs: Viele hatten wohl nicht verstanden, dass es sich bei der Darstellung um eine Computergrafik handelte. Die glaubten, die Wärmflasche gebe es wirklich.

Laub: Und um dieser Schuldigkeit nachzukommen, suchten wir dann einen Hersteller für unsere Produktidee.

ZEITmagazin: Ihre Wärmflasche wird nun ab November im Handel erhältlich sein, für etwa 30 Euro, produziert von der Marke Authentics. Was ist an »Pill« besser als an herkömmlichen Wärmflaschen?

Laub: Wir haben uns an der Form der alten Kupferwärmflaschen, die es Anfang des 20. Jahrhunderts gab, orientiert. Die konnte man auf den Tisch stellen und das Wasser oben eingießen. Man musste sie nicht wie die heute üblichen Modelle in der Hand halten, um sie mit heißem Wasser zu befüllen. Unsere »Pill« hat einen flachen elliptischen Körper und den Hals in der Mitte. Wenn sie voll ist, schraubt man sie zu und versenkt den Hals mit einem Ploppen in der Flasche.

Jehs: Man verbrennt sich nie mehr die Finger beim Eingießen. Außerdem hat sie eine Neoprenhülle. Dadurch wird sie nicht gleich brüllend heiß und behält ihre Wärme länger.

ZEITmagazin: Wie schwierig war es, aus der Idee ein Produkt zu machen?

Laub: Wir mussten zunächst einmal das richtige Material finden. Ältere Wärmflaschen waren aus Gummi, das hält aber nicht so lange. Dazu muss unser Modell aus zwei Hälften zusammengeschweißt werden. Und Gummi lässt sich nicht schweißen. Also mussten wir erst mal einen weichen, körperfreundlichen Kunststoff finden.

Jehs: Aber viel mehr Probleme hat uns bereitet, dass der Lieferant in China , mit dem unser Hersteller Authentics zusammengearbeitet haben, zwischenzeitlich pleiteging. Plötzlich waren alle Werkzeuge in der Fabrik verschwunden, und wir mussten wieder von vorne anfangen.

ZEITmagazin: Nun hat nach zwei Jahren alles ein gutes Ende genommen. Können Sie erklären, wie es sein kann, dass all die Jahrzehnte niemand auf die Idee kam, eine Wärmflasche anders zu gestalten?

Jehs: Ich kann mir vorstellen, dass man das früher schon versucht hat, als man anfing, Wärmflaschen aus Gummi zu machen. Aber der Gummi ließ sich eben nicht schweißen wie Kupfer. Man kann das Material nur ausblasen. Also hat es der Flasche ihre Form aufgezwungen.

Laub: Und als es dann endlich möglich war, mit Kunststoffen zu arbeiten, dachte einfach niemand mehr daran. Man hatte sich eben schon daran gewöhnt, sich ständig die Finger zu verbrühen.