Läuft das Haltbarkeitsdatum von Milch-, Brot-, Fleisch- und anderen Frischwaren ab, dann droht künftig im Supermarkt Reizüberflutung. Ein Blinken hier, ein Piepen dort, dazu noch Hintergrundmusik aus den Filiallautsprechern. Empfindliche Konsumenten könnte das neuartige Alarmverfahren nerven, das zurzeit an der TU Chemnitz entwickelt wird. Freunde deutlicher Warnungen dürfte die Technik hingegen erfreuen. Grundlage der Entwicklung sind komplette elektronische Geräte, die gedruckt werden – und zwar möglichst billig, biegsam und kompostierbar . Solche Elektronik soll zum Beispiel Verpackungen von Lebensmitteln zieren – und signalisieren, wenn sie aussortiert werden müssen. Doch das wäre nur eine Anwendung unter vielen.

Georg Schmidt von der TU Chemnitz hat inzwischen mit der Forschung an sprechenden Verpackungen begonnen. Am Institut für Print- und Medientechnik leitet er das Forschungsprojekt Flexibility : Das Vorhaben wird von der EU mit fünf Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind auch die ETH Zürich, die TU Dresden und Industriepartner wie Siemens oder Varta. In vier Jahren, so die Zielsetzung, will man ein serientaugliches Verfahren entwickeln, das es ermöglicht, mit konventionellen Druckerpressen massenhaft Kleinst-Elektronik herzustellen. Sie soll voll funktionsfähig sein, mit integrierter Stromversorgung, nicht größer als eine Centmünze – und auch nicht viel teurer. So weit ist es noch nicht. Schmidt hält ein Stück Folie in der Hand, auf die etwas gedruckt ist. Erkennbar sind die Umrisse winziger Weinflaschen. Es sind organische und leitfähige Substanzen, die übereinandergeklebt einen Transistor ergeben.

Neu ist gedruckte Elektronik nicht. Seit zehn Jahren läuft, unter anderem auch in Chemnitz, Grundlagenforschung, um mit Druckern leitfähige Materialien auf flexiblen Untergrund zu bringen, meist Folien. So produziert die Fürther Firma Poly IC mit Großdruckern seit 2003 Elektronik, zum Beispiel für leitfähige Touchsensoren bei MP3-Playern. Allerdings sind hier die gedruckten Elemente nur Teile der Elektronik – und nicht das komplette Gerät.

Noch ist die Technik zu teuer

Die Industrie setzt große Hoffnungen in neue Druckverfahren . Dabei dreht sich die Forschung hauptsächlich um die Stoffe, mit denen gedruckt wird, nämlich mit organischen Substanzen. Herkömmliche Transistoren basieren meist auf hartem, anorganischem Material wie Silizium und anderen, teils teuren Rohstoffen. Die Elektronikdrucker wollen hier mit ein paar Tropfen organischer Stoffe auskommen, die elektrischen Strom leiten.

Das wäre wesentlich billiger und könnte knappe Rohstoffe sparen. Schon in den achtziger Jahren forschte Kodak auf dem Gebiet. 2009 kam Samsung mit einem Amoled-Display auf den Markt, das organische Leuchtdioden (Oleds) enthält. Noch ist die Technik viel zu teuer für Kassenschlager. Doch die europäische Organic Electronics Association prognostiziert, schon 2020 könne organische Elektronik einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro erzielen.