Eine Neuanalyse der WHI-Daten aber löst den scheinbaren Widerspruch auf. In den USA hatten die Frauen die Hormontherapie meist erst in höherem Alter begonnen. Es sei jedoch wichtig, mit der Hormongabe früh nach dem Einsetzen der Menopause zu beginnen, schreibt Louise Lind Schierbeck. Auch in der WHI-Studie waren Frauen ohne erhöhtes Erkrankungsrisiko geblieben, die mit der Therapie früh nach dem Versiegen ihres Zyklus begonnen hatten.

Die Hormontherapie sei "bei sachgemäßer Anwendung sicher", sagt Christian Thaler , Leiter des Hormonzentrums im Universitätsklinikum München. Die durch Östrogene ausgelöste Gefahr von Thrombosen könne praktisch vollständig vermieden werden, wenn der Wirkstoff durch die Haut in den Körper gelange – etwa mithilfe von Hormonpflastern, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Doch das ist umstritten. Zudem könnten mit einer neuen Wirkstoffkombination (Östrogen zusammen mit Substanzen, die teilweise anti-östrogen teilweise auch östrogenartig wirken) die negativen Folgen der Behandlung vermieden und die erwünschten Effekte, etwa auf die Knochendichte, erreicht werden. "Womöglich sinkt mit dieser Behandlungsform sogar das Brustkrebsrisiko", sagt Thaler.

Wichtig ist nach Ansicht deutscher Experten, dass keine Vorerkrankung der Gefäße, fortgeschrittener Diabetes und kein schweres Übergewicht vorliegen. Außerdem müsse man "das Therapiefenster ausnutzen", fordert Thaler – die Behandlung sollte früh nach der Menopause beginnen und möglichst nicht länger als etwa zehn Jahre dauern.

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