In keinem anderen Objekt ist Geschichte so haltbar, handlich und komprimiert wie in einer Münze: klein und rund, buchstäblich im Taschenformat. Auf der Vorderseite ist meist ein Mann im Profil dargestellt, dazu knappe Angaben zu seiner Person, auf der Rückseite oft ein Motto, eine Devise, sozusagen die ideale Essenz seiner Persönlichkeit, wenn nicht gar die Essenz der ganzen Dynastie.

Auf der hier abgebildeten, vorzüglich erhaltenen Silbermünze mit schöner Patina ist Vincenzo II. Gonzaga, dargestellt, Herzog von Mantua und Markgraf von Montferrat. Der Herrscher trägt eine Rüstung, eine Ordenskette und eine üppige Halskrause. Er ist übergewichtig, eingezwängt in sein Ornat. Ganz anders der kräftige Hund auf der Rückseite, der wachsam und beweglich erscheint. Schon die Vorfahren Vincenzos II. waren für ihre Hundeliebe bekannt. Sie ließen ihre Jagd- und Schoßhunde von Künstlern wie Tizian und Giulio Romano verewigen. Auch der fettleibige Vincenzo II. schmückt sich hier mit den kämpferischen Tugenden eines Hundes. Das dicke Halsband sieht aus, als ob sein Herr ihn lieber an die Leine nehmen sollte. Die lateinische Umschrift lässt sich ungefähr mit "Feindselig nur gegenüber Grausamen" übersetzen. Damit ist klar: Wen dieser Hund angreift, der gehört nicht zu den Guten. Feinde hatte Vincenzo Gonzaga viele, auch in der eigenen Familie, zum Beispiel die zwanzig Jahre ältere Frau, die er als junger Mann gegen den Willen seiner Familie geheiratet hatte und die er schließlich selbst in einem Hexenprozess loswerden wollte, allerdings erfolglos. Eigentlich war er als jüngster von drei Brüdern für eine Laufbahn in der katholischen Kirche bestimmt, aber als die anderen jung starben, übernahm er 1626 die Herrschaft über Mantua und Montferrat. Er war nur 33 Jahre alt und kinderlos, als er 1627 starb, in dem Jahr, in dem diese Münze geprägt wurde. Die Hauptlinie der Gonzaga war damit erloschen. Der Mantuanische Erbfolgekrieg verbreitete Pest und Hungersnot in Oberitalien. Die wundervolle Kunstsammlung mit Werken von Raffael, Tizian, Rubens wurde in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Der riesige Palazzo Ducale ist bis heute fast leer.

Kopf oder Zahl? Eine Münze werfen bedeutet das Schicksal herausfordern, denn die Münze hat zwei Seiten. Was wäre wohl geschehen, wenn die Liebe zu seiner Frau stärker gewesen wäre? Wenn es Kinder gegeben hätte, die die mantuanische Kulturpatronage weitergeführt hätten? Die Münze, einem Taler vergleichbar, wurde vor ein paar Tagen im Auktionshaus Künker in Osnabrück aufgerufen. Geschätzt auf 15.000 Euro, fiel der Hammer schon bei 12.000 Euro.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin der "Weltkunst"