ZEITmagazin: Herr Weismann, das Hotel Chateau Marmont in Hollywood ist bekannt für seine Partys. Ausgerechnet an diesem Ort fotografierten Sie Berühmtheiten schlafend.

Jork Weismann: Es hat natürlich eine gewisse Ironie, dass ich die Fotos an einem Ort gemacht habe, wo eigentlich niemand schläft. Ich kam auf die Idee, als ich 2009 Annie Leibowitz fotografierte. Sie war nervös und wollte nie still sitzen bleiben. Ich bat sie, sich hinzusetzen und einfach mal die Augen zu schließen. Das Ergebnis hat vielen gefallen, und ich habe mir gedacht, ich mache einfach eine ganze Serie daraus, am besten im Chateau Marmont, da sind die Zimmer schön, und das Licht ist es auch.

ZEITmagazin: Das Hotel, 1929 nach dem Vorbild eines französischen Schlosses erbaut, ist für seine Diskretion bekannt. Es gibt kaum eine US-Berühmtheit, die hier nicht schon mal zu Gast war. Dort fotografieren zu dürfen ist nicht selbstverständlich.

Weismann: Ich habe dem Besitzer André Balazs geschrieben, dass ich gerne schlafende Menschen fotografieren möchte, und das am liebsten in seinem Hotel. Er antwortete nur: "Asleep at the Chateau is perfect, let’s do it." Sein Hotelmanager Phil Pavel war überrascht, weil André eigentlich immer sehr genau überlegt, was er tut. Er unterstützt die Arbeit von Künstlern eben sehr.

ZEITmagazin: Gibt es eine Person, bei der es besonders lange dauerte, bis Sie sie überzeugen konnten mitzumachen?

Weismann: Insgesamt habe ich fast drei Jahre an dem Buch gearbeitet und dabei viel Zeit im Chateau verbracht. Der Hotelmanager hat mich sehr unterstützt und den Kontakt mit Leuten, bei denen er wusste, dass sie eventuell für so etwas zu haben sind, in die Wege geleitet. Wenn jemand nicht mitmachen wollte, habe ich das akzeptiert. Bei der Musikerin Patti Smith hat es etwas länger gedauert, bis der Kontakt hergestellt war. Sie erzählte mir, dass sie jeden Tag gefragt werde, ob man sie fotografieren könne, und dass sie immer Nein sage. Aber ihr haben das Projekt und die Bilder, die ich ihr gezeigt habe, gut gefallen, und dann hat sie sich entschieden mitzumachen. Für das Foto wollte sie unbedingt eines ihrer Lieblingsbücher dabeihaben, Finnegans Wake von James Joyce. Sie sagte, sie lese jeden Abend darin, bevor sie schlafen gehe.

ZEITmagazin: Schlafen Ihre Modelle nicht zu perfekt?

Weismann: Das gehört eben zu Hollywood. Natürlich gibt es gewisse Bilder, die auch meiner Meinung nach zu inszeniert wirken. Am liebsten hätte ich gehabt, dass alle wirklich schlafen, aber das hätte nicht funktioniert. Es gab einen einzigen Schauspieler, der mir angeboten hat, mir seinen Schlüssel zu geben, sodass ich mitten in der Nacht in sein Zimmer schleichen und ihn fotografiere kann. Letztlich hat er aber dann doch abgesagt.

ZEITmagazin: Ihre Modelle schlafen an ungewöhnlichen Orten, im Garten oder auf dem Balkon – was war der unbequemste Ort, an dem Sie je geschlafen haben?

Weismann: Mit 17 in Griechenland auf einem Flachdach aus Beton und ohne Matratze.

ZEITmagazin: Die Regisseurin Sofia Coppola hat ihren Film "Somewhere", der vom Leben eines Hollywood-Schauspielers handelt, im Chateau Marmont gedreht. Einige Ihrer Fotografien erinnern an Filmstills. Eine Hommage an Hollywood?

Weismann: Ja, in gewisser Weise sehe ich Filmstills als Vorbild und habe versucht, diese Optik beim Setzen des Lichts herzustellen.

ZEITmagazin: Schlafen Sie gut?

Weismann: Eigentlich brauche ich zwei Räume zum Schlafen. Ich schlafe meist nur zwei bis drei Stunden, dann wache ich auf, und es kann sein, dass ich ein paar Stunden nicht schlafe. Ich gehe dann meist in das andere Zimmer aus Rücksicht auf meine Frau und lese oder gehe mit dem Hund bei Sonnenaufgang spazieren. Oft reicht es auch, das Zimmer zu wechseln, damit ich wieder schlafe.

ZEITmagazin: Nur zwei bis drei Stunden am Stück? Warum schlafen Sie so schlecht?

Weismann: Ich weiß es nicht, ich habe schon als Kind schlecht und wenig geschlafen. Da habe ich natürlich nicht die Betten gewechselt, aber bin sehr früh aufgestanden. Ich habe dann eine Weile Zeitungen ausgetragen, einfach weil ich so früh wach war. In Hotels versuche ich immer, Zimmer zu buchen mit einem zweiten Raum und einer Couch. Wahrscheinlich mag ich es deshalb, in Hotels zu sein. Dort ist in der Nacht immer irgendjemand wach. Man ist nie allein.