Massentierhaltung wird heutzutage überall praktiziert, und zwar nicht nur von Imkern, wofür man ein gewisses Verständnis aufbringen könnte, sondern auch bei Fleisch- und Fischproduzenten. Auf deren Packungen mit industriell gefertigten, vorgeschnittenen und verzehrfertig abgepackten Schinken- oder Räucherlachsscheiben findet sich – gar nicht mal so selten – der Hinweis, die Ware sei "handgesalzen".

Was eine besondere Behandlung suggeriert, ist der Versuch, einen Rest Handwerksromantik in die traurige industrielle Gegenwart hinüberzuretten. Ob Fisch, Schwein oder Geflügel, jedes essbare Lebewesen wird im Zeitalter der Massenverköstigung so behandelt wie von vornherein tote Materie. Die Aufzucht erfolgt über oder unter Wasser in riesigen Mengen; getötet, filetiert und vakuumverpackt wird von Präzisionsmaschinen.

Seltsam eigentlich, dass ein Land wie Deutschland, das oft und gerne seine Maschinenbauer rühmt, bei Tiertötungsautomaten so schweigsam bleibt. Dabei wird made in Germany auch in dieser Kategorie weltweit wegen seiner Qualität geschätzt. Die Baader 212 etwa, ein Klassiker unter den Köpf- und Filetiermaschinen, verrichtet ihren unbarmherzigen Dienst seit Jahren zuverlässig in so mancher Fischfabrik. Ähnliche Geräte gibt’s für andere Tiere, googeln Sie mal nach Stichwörtern wie "Carcass Care".

So ist das im Industriezeitalter. Und dann kommt man uns mit "handgesalzen". Zugegeben, es ist schön, wenn Lachs- und Schinkenscheiben nicht von einer Maschine mit flüssiger Salzlake besprüht, sondern von Hand mit Salz bekrümelt werden. Aber ehrlich gesagt, kommt es darauf nicht mehr an. Wenn das der letzte Rest menschlicher Aufmerksamkeit sein soll, der einem früheren Lebewesen zuteil wird, bevor es im Kühlregal landet, ist es schon sehr traurig.