ZEITmagazin: Mit der Ehe gaben Sie Ihre Selbstständigkeit auf und wurden Frau Eichinger. Fanden Sie einen Ausgleich?

Alle Interviews aus der Serie des ZEITmagazins zum Nachlesen

Eichinger: Ich hatte nicht mehr die Aufmerksamkeit, die man genießt, wenn man seinen Namen als Autorin eines Artikels gedruckt sieht. Aber ich bekam wahnsinnig viel Aufmerksamkeit von Bernd und auch viel Anregung. Ich habe durch ihn zum ersten Mal erfahren, was Liebe tatsächlich ist. Durch Bernd bin ich als Mensch gewachsen, weil ich extrem gefordert war. Ich habe es als das Schönste überhaupt empfunden, dass ich jemandem all meine Liebe geben konnte und er das tatsächlich wollte. Ich hatte auf einmal ein Zuhause.

ZEITmagazin: Sie waren fast die ganze Zeit zusammen – und dann war er plötzlich nicht mehr da. Was hat Sie nach diesem Schock gerettet?

Eichinger: Ich hatte Bernd ein Versprechen gegeben: Falls etwas passieren würde, würde ich cool bleiben und alles regeln. Dieses Versprechen habe ich gehalten, nur so kommt man da durch. Selbstmitleid finde ich abstoßend. Man kann sich nur selbst retten, indem man sich entschließt, sich retten zu lassen. Man muss sich dem Tod stellen, denn wenn man davor wegrennt, dann lebt man auch nicht. Ich habe mich entschlossen zu leben.

ZEITmagazin: Das ist keine leichte Entscheidung. Haben Ihre Freunde Ihnen geholfen?

Eichinger: Am Anfang ist es schwierig, wenn einem ständig die Augen schwimmen und man gleichzeitig Verständnis erwartet, weil man nicht allein sein kann. Ich habe einen Freund in London, den ich weinend angerufen habe. Er hat sich nur über mich lustig gemacht, und das war genau richtig. Er hat mich dadurch zum Lachen gebracht. Es gehört viel Mut dazu, sich über jemanden in so einer Situation lustig zu machen. Aber er hat das getan und mich in diesem Moment, als ich wirklich gedacht habe, dass ich nicht mehr kann, tatsächlich gerettet. Es gab viele Rettungsmomente: durch Menschen, durch Musik, durch das Autofahren. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal wieder den Balkon bepflanzt und mir gesagt habe: Ich pflanze jetzt etwas, ich pflanze Leben. Das hat mich Überwindung gekostet, und dennoch war es ein sehr wichtiger Moment.