Endlich. In jedem Satz von Matthias Machnig schwingt ein kleiner Triumph mit. Und der Wunsch, dass es jetzt doch endlich losgeht. Mit dem Aufbruch in eine andere Republik, mit dem Ende von Schwarz-Gelb und der Renaissance der Sozialdemokratie. "Unser Markenkern war angekratzt", sagt der Sozialdemokrat, "aber jetzt, jetzt sind wir endlich wieder da."

Matthias Machnig ist Wirtschaftsminister in Thüringen, seit fast drei Jahren. Lange wirkte der Mann mit der rauchigen Stimme und dem großen Ego dort wie im Exil. Immerhin hatte er früher mal mit seinen Kampagnen die Republik gerockt. Er war der Stratege hinter Gerhard Schröders Wahlsieg, Staatssekretär und Strippenzieher in Sigmar Gabriels Umweltministerium. Dagegen wirkt der Arbeitsplatz im beschaulichen Erfurt und dann noch im Kabinett einer christdemokratischen Ministerpräsidentin eher wie das Engagement auf einer Provinzbühne. Schon weil es in Berlin lange keinen mehr interessierte, was er da so treibt. Doch in diesem Herbst ist etwas anders.

Machnig fühlt sich wieder stark. Das hat sicher mit der Nominierung von Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten zu tun und damit, dass viele wieder über die SPD schreiben, und das sogar positiv. Es liegt aber auch daran, dass er selbst plötzlich durchdringt: mit linken Wirtschaftsthemen. Aus Erfurt. Bis nach Berlin.

Kürzlich, als Machnig zur Pressekonferenz in die thüringische Landesvertretung in Berlin lud, war der Saal voller Journalisten. Und die ließen sich geduldig von ihm erklären, warum Deutschland einen Mindestlohn braucht und wie Minister Machnig den im Bundesrat schon mal durchsetzen will. Seither ist der Politiker sicher: "Wir Sozialdemokraten müssen endlich die Mitte-Fixierung beenden. Die Republik ist reif für eine neue, linke Wirtschaftspolitik."

Nur, gibt es das überhaupt: eine Wirtschaftspolitik , die neu ist, links und zudem noch mehrheitsfähig?

Und passt sie zu einer Sozialdemokratie, die nun von Peer Steinbrück in den Wahlkampf geführt wird?

Fragen wir das die Sozialdemokraten, die für das Steinbrück-Team im Gespräch sind. Heiko Geue etwa, einen schlanken Mann mit schwarzer Hornbrille, er arbeitet noch als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt. Doch bald schon wird er als Wahlkampfleiter Peer Steinbrücks Kampagne managen. Geue sollte also beides beherrschen: Wirtschaft und Wahlkampf .

Was ist gut an der neuen sozialdemokratischen Wirtschaftspolitik, Herr Geue? "Wir haben einfach die richtigen Lehren aus der Finanzkrise gezogen", sagt der Politiker. Und dann zitiert er Karl Schiller. Auch der trug Hornbrille und war der berühmteste und eher marktfreundliche Finanzminister der SPD. "So viel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig", habe Schiller gesagt. Mit dem Slogan hält es auch Geue. "Zu schreiben: Hurra, jetzt kann der Staat wieder alles, wäre falsch. Aber in den letzten Jahren hat der Staat dem Mark zu wenig Grenzen gesetzt. Deswegen geht es zu oft nicht fair zu. Deswegen ist die Spaltung zwischen Arm und Reich zu groß."

Sozialdemokraten wollten das ändern, sagt Geue: "Bei uns ist Wirtschaftspolitik kein Selbstzweck. Sie hat als wichtigstes Ziel: Gerechtigkeit!"

Klingt populär. Tatsächlich kokettiert das Land ja mit sanft linken Ideen wie lange nicht. In Talkshows wird über Verteilung, Gerechtigkeit und Rente geredet. Und nicht mehr über Sozialschmarotzer. Banker ist kein Traumberuf mehr, sondern ein Schimpfwort. Und Peer Steinbrück wurde passenderweise erst zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt, nachdem er seine Ideen zur Aufspaltung der Banken präsentiert hatte – und dafür bundesweit gelobt worden war.