Welches Bett passt zu welchem Alter?

Von Ilka Piepgras

In Michael Hanekes großartigem Film Liebe steht ein neues Bett im Schlafzimmer von Anne, als diese nach einer Operation halbseitig gelähmt nach Hause zurückkehrt. Es ist eines dieser Betten, deren Fuß- und Kopfteil man mithilfe eines Motors verstellen kann. Annes letztes Bett in ihrem Leben markiert eine Lebensphase, in der sie Unterstützung braucht. Es ist der Beginn ihres Sterbens.

Betten sind Teil unserer Biografie, genauso wie die Bücher, die wir lesen, und die Kleider, die wir tragen. Vorlieben und Bedürfnisse ändern sich je nach Lebensphase. Anfangs symbolisieren Gitterbetten den geschützten Raum, den Kinder brauchen. Es folgen Betten, die die Fantasie anregen und an Erlebnisparks erinnern – Betten in Form eines Piratenschiffs beispielsweise oder Prinzessinnenträume mit Baldachin und Vorhang. In den Lehr- und Wanderjahren spielen Betten dann vorübergehend eine sehr untergeordnete Rolle: Meist tut es eine bloße Matratze auf dem Boden als Ausdruck jugendlicher Unfertigkeit und Selbstfindung. Ich kenne jemanden, der in seiner Studentenzeit auf einem hauchdünnen Futon geschlafen hat – als asketische Übung. Sein Ziel war es, sich irgendwann auf den nackten Boden zu betten, doch so weit ist er nie gekommen. Erfolg, Karriere und Rückenschmerzen führen zu teuren Superbetten mit präzise aufeinander abgestimmten Lattenrosten und Federkernmatratzen.

Das Bett ist Ausdruck der eigenen Selbstfindung, und man sollte nur in eines investieren, wenn man sich sicher ist, in welcher Lebensphase man sich gerade befindet. Sonst wird der Bettenkauf zur Projektionsfläche von Sehnsüchten und endet mit falschen Entscheidungen. In Hanekes Film hat sich Anne ihr letztes Bett nicht selber ausgesucht. Ihr Ehemann George nahm ihr die Entscheidung ab.

Dürfen Kinder mit ins Elternbett?

Von Annabel Wahba

Eigentlich ist das Schlafzimmer ja ein Ort, an dem jeder tun und lassen kann, was er will. Es sei denn, es geht um das Thema Kind im Bett – da meinen Elternpaare gerne, sie müssten sich untereinander erklären, was richtig und was falsch ist. Überhaupt erlebt man die soziale Kontrolle durch seine Mitmenschen nirgendwo so sehr wie in Erziehungsfragen. Die werden in Deutschland mit einer Grundsätzlichkeit diskutiert, als ginge es um Leben und Tod. Soll man sein Kind nun, wenn es nachts in der Tür steht, ins Elternbett lassen oder es wieder in sein eigenes Bett zurückschicken? Die einen empören sich über die Inkonsequenz der andern, die sich jede Nacht aufs Neue wecken lassen und sich bereitwillig in eine Ecke quetschen, damit ihr Kind genug Platz zum Schlafen hat. Die andern empören sich über die Hartherzigkeit der Eltern, die ihr Bett ganz für sich haben wollen, und gehen lieber übermüdet zur Arbeit, weil es doch so kuschelig ist zu dritt im Bett. Vielleicht sollte jedes Paar wieder selbst entscheiden dürfen, was in seinem Bett geschieht. Zumindest gehen die Familienbett-Befürworter kein Risiko ein, dass sie sich das Bett bald noch mit einer weiteren Person teilen müssen: Ein Kind im Bett ist das wohl sicherste Verhütungsmittel.

Ab wann sind getrennte Schlafzimmer besser?

Von Moritz von Uslar

Die ersten Jahre soll man in einem Bett schlafen. Wenn der Mann feststellt, dass seine Nasen- und Ohrenhaare zu wachsen beginnen, sollte er sich ein eigenes Bett suchen.

Ist es okay, beim Einschlafen fernzusehen?

Von Tillmann Prüfer

Im Bett soll man sich der Entspannung widmen. Darunter versteht jeder etwas anderes. Mancher möchte sich von den Reizen des Tages verabschieden, vielleicht noch ein paar Seiten eines Buches lesen und dann einschlafen. Andere haben Probleme, sich vom Tag zu trennen. Sie wollen sich am liebsten von Anne Will in den Schlaf lullen lassen. Problematisch wird es nur, wenn sich ein Paar mit unterschiedlichen Gewohnheiten in einem Bett wiederfindet. Wenn einer noch Fernsehen gucken möchte, will der Partner schon schlafen und fühlt sich gestört durch die Klänge. Das führt zu Missstimmung – und ist vielleicht trotzdem das kleinere Übel. Denn der Fernsehen schauende Partner will ja nicht unbedingt in die Röhre starren, er will Unterhaltung. Und hätte er nicht einen Bildschirm, so würde er diese seinem Partner abverlangen. Der müsste dann zwar nicht das Gequatsche im Fernsehen ertragen – aber er müsste Antworten geben. Die würden vielleicht nicht sehr freundlich ausfallen. Der Autor Douglas Adams sagte einmal, der Fernseher sei die beste Erfindung, weil durch ihn zwei Menschen in einem Raum sitzen könnten, ohne einander umzubringen. Sie können auch liegen.

Welche Kunst sieht im Schlafzimmer gut aus?

Von Friedrich Loock, Berliner Galerist

Im Wohnzimmer hängen die repräsentativen Werke, im Schlafzimmer wird es dann privater. Schlafzimmer sind oft auch konservatorisch besser für Papier- und Foto-Arbeiten geeignet, da hier das Sonnenlicht nicht seine zerstörerische Kraft entfalten kann. Im Schlafzimmer hat man gern die Schlüsselloch-Kunst, da hängt Erotisches wie die Nudes von Thomas Ruff, verfremdete Pornobilder aus dem Internet, aber die Sujets müssen nicht unbedingt mit Sex zu tun haben. Das Foto des amerikanischen Fotografen Alec Soth, das ein Bett – wahrscheinlich ein Hochzeitszimmer in einem Hotel an den Niagarafällen – zeigt, ist nach unserer Ausstellung in einem Schlafzimmer gelandet.